Kinder, holt die Skittles-Tüte raus und schnallt euch an. Denn heute schlängelt sich euer Stolle wie ein Panzer durch enge Straßen. Voller Grazie und Anmut. Ach halt, das war der Einstieg für meinen Eiskunstlauf-Blog. Also nochmal: Voller Gewalt und Aggressivität. BeastMode ist angesagt! Denn heute nehme ich die mögliche Rückkehr von Marshawn Lynch als Aufhänger für mein neuestes Concussion Protocol.

Jetzt mal ehrlich, wie geil wäre das denn, wenn Lynch von seinem Sessel (oder seinem Zweirad) auf den Rasen der NFL zurückkehren würde. Dieses Jucken verspürt beinahe jeder Profisportler einige Wochen oder Monate nach seinem offiziellen Karriereende. Und ich spreche nicht von Flohbefall. Ich rede davon, dass Sportler es einfach nicht lassen können. Sie vermissen das Spiel einfach zu sehr und würden am liebsten nochmal durchstarten. Im Amateur- oder Semiprofibereich hab ich das oft erlebt. Und da ist eine Rückkehr oft auch leicht in die Tat umgesetzt. Doch im Profisport trauen sich nur ganz Wenige, ein Comeback zu geben.


Eine Rückkehr von Lynch wäre ein Traum für Fans und Medien und ein Albtraum für die Herren in Goodellistan. Glaubt man den Gerüchten, könnte es zudem zu einer Traumehe kommen: Lynch soll bei seinem Heimatteam, den Oakland Raiders, im Gespräch sein. Und er ist nicht der Einzige, der über ein Comeback nachdenkt. Auch Vince Young, einstiger College-Darling und Rookie of the Year in der NFL, hat sich (angeblich) nochmal in Form gebracht und versucht es nun nördlich der Grenze in Kanada.

10. These: Fünf Comebacks, die wir gern sehen würden, aber nie erleben werden

Oft enden solche Comeback-Versuche traurig. Die NFL ist schnell und schnelllebig. Wer auch nur ein Jahr ausgesetzt hat, dem fehlt oft der Speed, das Idealgewicht, die Power. Immer wieder kommt es auch maximal zu einer Andeutung einer Rückkehr. Man denke nur an JaMarcus Russell. Doch es gibt auch positive Geschichten, wie die von Ricky „I want to get high“ Williams. Und dann gibt es noch Johnny M. Aber dessen Geschichte reicht für 10 Blogs…

Ich habe dennoch überlegt, welche Spieler wir zu gern wieder, beziehungsweise noch einmal auf dem Feld sehen wollen würden. Keine Angst, alle Kandidaten leben noch…

The Return of Megatron

Gerade einmal ein Jahr ist es her, da entschied sich Calvin Johnson, seine eindrucksvolle Karriere von heute auf morgen zu beenden. Die NFL-Welt war geschockt (wenngleich die Konkurrenten der Detroit Lions in der NFC North eher aufatmeten). „Megatron“ terrorisierte gegnerische Passverteidigungen seit 2007 wie kein anderer Wide Receiver. Insgesamt fing er in seiner Laufbahn 731 Pässe für 11.619 Yards und 83 Touchdowns.

Sein „Über-Jahr“ hatte er in 2012, als er 122 Catches für 1.964 Yards machte (wenngleich nur fünf Touchdowns). Selbst in seiner letzten Saison gehörte er mit 88 gefangenen Bällen für 1.214 Yards und neun Touchdowns zu den Top-Receivern der NFL.

Johnson ist gerade einmal 31 Jahre alt. Mit seiner Statur (1,96m/107kg) und seinen herausragenden Fähigkeiten könnte er locker noch mindestens fünf bis sieben Jahre die Liga dominieren und sich auf Platz 2 der ewigen Receiving-Yards-Bestenliste katapultieren (15.934 Yards; Terrell Owens).

Redneck’s Revenge

Kaum ein Spieler hat die Gemüter in der NFL in den letzten Jahren seiner aktiven Laufbahn so strapaziert wie Brett Favre. Die einen liebten den Iron Man der Liga, die anderen verfluchten ihn für sein ständiges Hin und Her, wenn es um die Rente ging. Selbst in Green Bay war man irgendwann genervt. Wer erinnert sich nicht an das Drama im Sommer 2008. Am Ende wurde Favre zu den New York Jets verschifft und Aaron Rodgers übernahm das Zepter in der Frozen Tundra.

Nach einem durchschnittlichen Jahr im „Big Apple“ und einem Dödel-Skandal zog es Favre ausgerechnet zum Erzrivalen der Packers – nach Minnesota. Hier feierte er im zarten Alter von 40 Jahren seine Wiederauferstehung und war nur eine Interception vom Super Bowl entfernt. 2010 verabschiedete er sich dann wie so viele vor ihm: mit Verletzungen und unbeständigem Spiel.

Und dennoch gehe ich jede Wette ein, dass selbst heute, mehr als sechs Jahre nach seinem offiziellen Karriereende, einige Teams bereit wären, Favre eine Chance zu geben. Ihr glaubt mir nicht? Habt ihr euch mal angesehen, was da in der NFL für Graupen rumlaufen? Ryan Fitzpatrick war 2016 Starter, ebenso Jay Cutler oder auch Case Keenum. Dazu durfte jeder zweite Einwohner in Cleveland Quarterback spielen. Und Favre? Während 99% aller Sport-Rentner spätestens fünf Jahre nach dem Abschied vom Sport aussehen wie das Michelin-Männchen, sieht Favre aus wie ein Linebacker spielender Weihnachtsmann. Kommt sicher vom Holzfällen und Aufstellen der Bieberfallen in Mississippi. Mit anderen Worten: der alte Gunslinger könnte die Pille sicher noch immer locker 60 Yards weit feuern.

Linebacker Buddies

Auch wenn – oder gerade weil – sie nur in sechs Spielen zusammen (und nur selten gemeinsam) auf dem Feld gestanden haben, wäre dieses Doppel-Comeback der absolute Wahnsinn. Die Rede ist von Patrick Willis und Chris Borland. Der eine ist der wohl beste Linebacker der 49ers seit Ken Norton, der andere ist der Star, der keiner sein wollte.

Willis spielte von 2007 bis 2014 bei den Niners und brachte es in dieser Zeit auf 950 Tackles und stand in sieben Pro Bowls. Er war eine Maschine – und sah auch so aus. Willis spielte wie ein Besessener. Borland kam erst 2014 in die NFL. Er war ein Zach Thomas 2.0 – viele Scouts fanden ihn zu klein für einen Linebacker. Doch er hatte dieses gewisse Etwas und war einfach immer da, wo es zur Sache ging. In seiner Rookie Saison kam er auf 108 Tackles, und schockte nach der Spielzeit die Footballwelt mit seiner Aussage, ihm sei der Sport zu gefährlich und er würde aufhören.

Klar weiß ich, dass die Niners Borland auch geholt hatten, weil sie nicht wussten, wie lange Willis noch spielen würde. Und spielen beide Inside Linebacker. Insofern wäre eine 3-4 Defense die beste Version, um beide gleichzeitig auf Running Backs und Quarterbacks loszulassen. Aber Kinder, das gäbe ein Shake’n’Bake wie zu den guten alten Zeiten von Batman und Robin…

Barry mit den elastischen Beinen

Wenn es um Ikonen geht, die viel zu früh ihre Cleats an den Nagel gehangen haben, dann darf sein Name nicht fehlen: Barry Sanders. Der legendäre Running Back der Detroit Lions beendete seine Laufbahn ganz plötzlich im Alter von 30 Jahren. Seinerzeit (1998) galten Running Backs noch als Dauerläufer. 30 war kein Alter für ne Ballmaschine.

Doch Barry hatte genug. Genug davon, dass die Lions nie besonder vorzeigefähig spielten. Genug davon, dass er den Alleinunterhalter spielen musste – Jahr für Jahr. In seiner Zeit brachte es Sanders auf 3.062 Läufe für 15.269 Yards und 99 Touchdowns. Zudem fing er 352 Pässe für 2.921 Yards und 10 Touchdowns.

Sanders war anders. Selbst athletische Freaks, wie wir sie heute immer wieder von den Colleges kommen sehen, würden sich beim Anblick von Sanders verwundert die Augen reiben. Sein Schwerpunkt lag so niedrig, dass er Moves machen konnte, bei denen sich jeder normale Mensch alles ausgekugelt und gebrochen hätte. Natürlich ist Sanders mit 48 Jahren etwas in die Jahre gekommen. Aber in Detroit vergeht kein Frühjahr, in dem sich die Fans nicht fragen, ob ihre Legende nicht doch noch einmal aufs Feld zurückkommt. Und mal ehrlich, schlechter als die derzeitigen Running Backs der Lions kann der alte Mann auch nicht sein.

So, jetzt hab ich aber wieder genug geträumt. Also aufwachen, Freunde. Erfreut euch der Realität. Und die sagt, dass morgen wieder Kucze am Start ist mit nem Boulevard Blog.

In diesem Sinne,
Euer Stolle

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Stolle
Geschrieben von Stolle
PR Pro (Hamburg Freezers, Oakland Raiders, NFL Europe) - Packer Backer - Dreamer - Hard Worker - Proud Dad.