Eigentlich sollte ich mich nach meinem kurzen Ausritt auf die College-Football-Wiese wieder mit der NFL und dem bevorstehenden Saisonstart beschäftigen. Doch euer Interesse war so groß, da dachte ich mir, ich gönne mir und euch noch nen Artikel zur College-Saison. Ich verrate euch, welche Kids diese Saison die besten Chancen auf die Heisman Trophy haben.

Wer von euch sich im College Football noch nicht so auskennt; die Heisman Trophy erhält am Ende einer jeden Saison der beste Spieler des Jahres – gewählt von den ehemaligen Gewinnern und ausgesuchten Journalisten. Seit 1935 wird die Auszeichnung vergeben und erst einmal konnte ein Spieler seinen „Titel verteidigen“ (RB Archie Griffin 1974/75).


Die Trophäe wandert für gewöhnlich in die Hände eines Quarterbacks oder Running Backs. Je ganze zweimal konnte ein Receiver oder Tight End die Auszeichnung gewinnen. Der einzige Spieler, der als vorrangig Defensive spielender Athlet die Heisman Trophy gewinnen konnte, war Charles Woodson.

Und noch eine Sache solltet ihr wissen: Bester College-Spieler bedeutet nicht automatisch 1st Round Draft-Pick oder kommender NFL Megastar. Denn wie ich euch vergangene Woche schon erklärt habe, funktioniert Football am College anders. Da können ganz andere Typen auftrumpfen, die dann aber in der NFL keinen Stich sehen. Ich sag nur Johnny Manziel oder Tim Tebow. Oder anders formuliert: Von den bisherigen 81 Heisman Trophy Siegern schafften es nur neun Spieler in die Pro Football Hall of Fame. Nur einer davon spielte Quarterback (Roger Staubach) und ein weiterer schulte nach der Uni von QB auf RB um (Paul Hornung).

33. These: Die Heisman gewinnt ein QB – aber er wird kein 1st Round Pick

Quarterbacks haben trotzdem 14 der letzten 16 Heisman Trophys gewonnen (RB Reggie Bush wurde der Titel 2005 aberkannt). Daher wird es euch nicht verwundern, dass sich unter meinen 15 Heisman Hopefuls jede Menge Pillenwerfer befinden. Auch wenn der NFL Draft 2018 eine Menge großer QB-Talente bereithaben sollte, glaube ich, dass der Gewinner der Heisman Trophy nicht als 1st Round Pick in die NFL kommen wird.

Völlig überraschend ist auch kein Verteidiger dabei. Aber vielleicht steht der spätere Sieger ja auch noch gar nicht auf meiner Liste. Immerhin schätzten die Buchmacher die Chancen der beiden letzten Sieger auch nicht rosig ein. QB Lamar Jackson hatte letzten Sommer eine Quote von 50:1. Im Jahr davor lag die Quote bei RB Derrick Henry bei 25:1.

15. Jarrett Stidham, QB, Auburn (SO):

Der junge Mann ist das absolute „Dark Horse“ im Heisman Race. Aber wie war das mit der 50:1-Quote bei Lamar Jackson vor einem Jahr? Stidham könnte der nächste Cam Newton werden. Ein Spieler, der von einer Übergangs-Uni (aka Junior College) zu Gus Malzahn ins Team kommt und einfach mal die Nation im Sturm erobert. Stidham ist ein Dual Threat QB, wie er im Buche steht. Er entschied sich ursprünglich für Baylor, ging nach der hässlichen Geschichte um Art Briles aufs JC und könnte nun Auburns vierter Heisman Hopeful in acht Jahren sein.
Heisman Moment: Gleich sein zweites Spiel geht es zum amtierenden Meister. Wer gegen Clemsons gefürchtete Defense besteht, der kann auch durch Feuer laufen.

14. Josh Allen, QB, Wyoming (JR):

Allen ist einer der Lieblinge der Scouts wenn es um den Draft 2018 geht. Nachteil im Heisman Race: Er spielt für Wyoming. Kleine Uni. Wenig Aufmerksamkeit. Keine großen Gegner. Er hat nur zwei Spiele gegen Teams der sogenannten Power Five Conferences. Der Mann muss also jede Woche MEGA abliefern, will er eine echte Chance haben.
Heisman Moment: Der muss im Spiel gegen Oregon (16.09.) kommen. Da eine fette Performance und die Nation wacht vielleicht auf.

13. Deondre Francois, QB, Florida State (SO):

Der arme Mr. Francois wurde letztes Jahr ins kalte Wasser geworfen. Und obwohl er Woche für Woche hinter einer fragwürdigen O-Line Dresche kassierte, brachte er es als True Freshman auf 3.550 Yards. Wenn die Line ihn besser schützt und er aufmerksamer agiert, kann er Jameis Winston vergessen machen.
Heisman Moment: Direkt am 1. Spieltag geht es vor der ganzen TV-Nation gegen Alabama. Gutes Gelingen, junger Mann…

12. Nick Chubb, RB, Georgia (SR):

Todd Gurleys Erbe bei den Bulldogs rockte 2014 die SEC mit 1.547 Yards als Freshman. Bis Anfang 2015 machte er saisonübergreifend 13 100-Yard-Spiele in Serie. Doch eine Verletzung kostete ihn den Rest der Saison. 2016 kam er unter nem neuen Coach nie ganz in Fahrt. Sehen wir den 2014er oder den 2016er Chubb?
Heisman Moment: In der SEC trifft man jede Woche auf Schwergewichte. Doch so richtig ernst wird es am 28. Oktober. Neutrales Feld (Jacksonville). Großer Gegner (Florida).

11. Josh Rosen, QB, UCLA (JR):

2016 war kein rosiges Jahr für Rosen, den Superstar der UCLA. Im ersten Saisonspiel warf er 3 INTs gegen Texas A&M und Mitte der Saison knockte ihn eine Schulterverletzung aus. Doch NFL Scouts lieben sein Talent und mit neuem Offensive Coordinator sind Zahlen wie in seinem Freshman-Jahr (3.669 Yards, 23 TDs, 11 INTs) absolut denkbar.
Heisman Moment: Die Chance auf Revanche gegen die Aggies gleich zum Saisonstart mag nicht ohne sein, doch Auswärtsspiele bei Stanford (23.09.), Washington (28.10.) und USC (18.11.) sind echt dicke Brocken.

10. Jake Browning, QB, Washington (JR):

Browning ist im Staate Washington beinahe so beliebt wie Russell Wilson. Immerhin führte er die Huskies letzte Saison mit 3.430 Yards und 43 TDs bei nur 9 INTs sensationell ins College Football Playoff. Das brachte ihm den 6. Platz im Heisman Voting ein. Diese Saison hat er erneut jede Menge Waffen um sich gescharrt und Washington dürfte wieder einer der Favoriten auf den Gewinn der Pac-12 sein.
Heisman Moment: Die Non-Conference-Spiele sind Partien, die niemanden jucken. Zu schwach sind die Gegner. Daher muss Browning in der Pac-12 rocken. Da aber das Über-Spiel gegen USC dieses Jahr nicht auf dem Plan steht, ist das Gastspiel in Stanford (10.11.) rot im Kalender markiert.

9. Jalen Hurts, QB, Alabama (SO):

Hurts ist einer von zwei Alabama-Spielern, die im Heisman-Rennen eine Rolle spielen könnten. Das spricht fürs Talent der Crimson Tide, bedeutet aber auch, dass er und RB Bo Scarbrough sich Punkte gegenseitig wegnehmen könnten. Hurts war 2016 nur zwei Sekunden davon entfernt, als Freshman eine 15:0-Saison zu feiern. Immerhin führte er Bama ins Playoff-Finale. Der Mann hat noch einige Jahre vor sich, muss sich aber vor allem bei tiefen Pässen verbessern, will er die Heisman gewinnen.
Heisman Moment: Alabamas Spielplan wirkt verhältnismäßig easy diese Saison. Die dicksten Brocken warten am ersten und letzten Spieltag. Los geht’s gegen wiedererstarkte Seminoles (02.09.) und es endet mit dem Iron Bowl in Auburn (25.11.).

8. Mason Rudolph, QB, Oklahoma State (SR):

Rudolph ist auch einer der Lieblinge der NFL Scouts, wenngleich die Offensive, in der er spielt, extrem passfreudig und wenig NFL-tauglich ist. Vergangene Saison warf er pro Spiel 315 (!) Yards. Bei 448 Würfen gab es nur 4 INTs.
Heisman Moment: Rudolphs Stern ging 2014 mit dem Overtime-Sieg gegen Erzrivale Oklahoma in seinem erst zweiten Einsatz auf. Doch seither wartet er auf einen Sieg gegen die Sooners. Letzte Chance: 04.11.

7. Derrius Guice, RB, LSU (JR):

Wer sich vergangene Saison nur auf Leonard Fournette konzentriert hat, der hat womöglich übersehen, wie Guices Stern aufgegangen ist. Er erreichte 1.387 Yards bei nur 183 Läufen für einen irren Schnitt von 7,6 Yards pro Lauf! Das waren die meisten Yards der SEC, obwohl er in vier Spielen nicht mehr als fünf Läufe hatte. Und mit vielen Fragezeichen im Passspiel 2017 stehen für Guice alle Türen offen.
Heisman Moment: Running Backs haben eher selten dieses eine Spiel, bei dem sich alle in sie verlieben und über das man noch Jahre später spricht. Dennoch sollte man auf die Spiele bei Florida (07.10.) und Auburn (14.10.) blicken.

6. J.T. Barrett, QB, Ohio State (SR):

Wohl keiner der Heisman-Kandidaten ist so erfahren wie Barrett, der seine fünfte Saison spielt. Ohio State ist erneut eines der Top-Teams der Saison, auch wenn die Klatsche gegen Clemson im Playoff-Halbfinale Fragen aufwirft. Barrett wird nicht die Zahlen erreichen, die andere Quarterbacks haben werden, da OSU sehr gern den Ball läuft. 2016 waren es 2.555 Pass-Yards, 845 Rush-Yards und 33 TDs gesamt. Es kommt also auf seine Performances in den „Big Moments“ der „Big Games“ an.
Heisman Moment: Der Spielplan hat es in sich: Spiel gegen Oklahoma auf neutralem Boden (09.07.). Auswärtsspiele in Nebraska (14.10.) und Michigan (25.11.). Jedes dieser Spiele könnte Barrett das Genick brechen oder ihn unsterblich werden lassen.

5. Bo Scarbrough, RB, Alabama (JR):

Seinen großen Durchbruch schaffe Scarbrough im Playoff-Halbfinale gegen Washington mit 180 Yards. Alles spricht für eine fette Saison und einen weiteren Heisman Runner aus Alabama. Allerdings hat Nick Saban einen ganzen Stall voller Rennpferde (Damien Harris, Josh Jacobs). Zudem ist die Frage, wie er sich von seinem Beinbruch im Endspiel gegen Clemson erholt hat.
Heisman Moment: Was gibt es schöneres als im Death Valley von LSU (04.11.) den Heisman-Rivalen Derrius Guice auszustechen.

4. Sam Darnold, QB, USC (SO):

Von der Ostküste (NY Jets) bis zur Westküste (49ers) weiß jedes Kind, wer Darnold ist. Er ist der neue Heilsbringer, der nächste 1st Overall Pick. Dabei kam er gerade einmal in zehn Spielen zum Einsatz. Doch die brachten neun Siege in Serie inklusive des Rose Bowl-Sieges. Dabei brachte es der Wunderknabe auf 3.086 Yards, 31 TDs und 9 INTs. Noch krasser: Sein Passer Rating unter Druck und bei Blitzen betrug sagenhafte 101,0!
Heisman Moment: Notre Dame zählt nicht zu den Top-Teams diese Saison. Doch gegen USC sind die Fighting Irish immer besonders motiviert. Dazu spielen sie zuhause (21.10.). Ein echter Stolperstein für Darnold.

3. Saquon Barkley, RB, Penn State (JR):

Wie aus dem Nichts kehrte Penn State vergangene Saison wieder ins Rampenlicht zurück. Ein Grund dafür war Barkley. Er hatte die meisten Yards from Scrimmage in der Big Ten (1.898), die meisten Total TDs (22) und die meisten Rushing TDs (18). Im Rose Bowl gegen USC kam er auf 194 Yards bei 25 Läufen. Die Nation weiß also, wer der Mann aus dem Happy Valley ist.
Heisman Moment: Im Oktober trifft Penn State in aufeinanderfolgenden Spielen auf Michigan (21.10.) und Ohio State (28.10.). Schwerer geht gar nicht.

2. Lamar Jackson, QB, Louisville (JR):

Jackson könnte der erste Back-to-Back-Heisman Champion seit 1974/75 werden. Die Konkurrenz ist riesig und für viele gehört Louisville nicht zu den „Big Boys“, doch er ist zweifelsohne der krasseste Athlet im College Football 2017. Völlig egal, dass er viel zu schmächtig für die NFL ist und wahrscheinlich als Drittrunden-Pick als Receiver gedraftet wird. Vergangene Saison warf er 3.543 Yards und packte 1.571 Lauf-Yards drauf. Insgesamt erzielte er 51 TDs. Seine 4.928 Gesamt-Yards waren der zweithöchste Wert eines Heisman Siegers überhaupt.
Heisman Moment: Vom amtierenden Champion wird erwartet, dass er abliefert. Ein einziger Stolperer könnte ihn alles kosten. Schon im Heimspiel gegen den Meister (16.09.) könnte alles vorbei sein.

1. Baker Mayfield, QB, Oklahoma (SR):

Er mag kein NFL-Prototyp eines Quarterbacks sein und im Draft werden mindestens vier andere Namen vor seinem aufgerufen werden. Aber wenn er nicht gerade versucht angetrunken vor der Polizei wegzurennen, ist Mayfield ein echter Ausnahmeathlet. Er gehörte schon letztes Jahr zu den Heisman Finalisten. Nach dem Abgang von Joe Mixon und Samaje Perine würde es niemanden wundern, wenn Offensive Coordinator Lincoln Riley auf Luftangriff setzt. Dabei hatte er schon 2016 absurde Zahlen (3.965 Yards, 40 TDs, 8 INTs, 70,9%).
Heisman Moment: Mayfield hat alles, was die Medien lieben: die Stats, das Lachen, das Charisma. In der Big 12 wird ihm niemand das Wasser reichen können. Doch kann er auch in Columbus bei Ohio State (9. September) rocken? Falls ja, kann er schonmal die Heisman-Pose üben.

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In diesem Sinne,

Euer Stolle

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Stolle
Geschrieben von Stolle
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