Keine Woche ohne alternative Fakten. Keine Woche ohne Trump und Russland und Steuern und die Affäre seines Haar-Pfiffis und dem NFL Commissioner. Und so bleibt sie euch auch diese Woche nicht erspart; die wahrscheinliche Wahrheit über eine Division der besten Liga wo gibt. Dieses Mal dreht es sich um die AFC North. Erfahrt, warum James Harrison durchdreht, die Browns rocken, Martavis Bryant abstürzt und der rote Baron vom Pferd fällt.

Auch dieses Mal schreibe ich diese Zeilen im Schweiße meines Angesichts, Socken in patriotischen Farben tragend und mit dem Wunsch im Herzen, der uns alle vereint: „Make NFL Great Again!“


Wir stehen dem Commish bei diesem Vorhaben mit Rat und Tat zur Seite. Aus der No Fun League soll wieder die Neverending Fun League werden. Die Wahrheit ist, dass nicht Chad Ochocinco sondern Detti den lieben Roger bei seiner Touchdown-Celebration-Revolution beraten hat. Flo ist für die Pflege des Haarteils von Donald Trump verantwortlich (falls ihr euch fragt, von welchem Haarteil die Rede ist: Hier Teil1 der Alternative Facts). Remo füttert das kleine, süße Fellknäuel und Kucze wurde allein letzte Woche sechsmal als Doppelgänger des US-Präsidenten gebucht. Was glaubt ihr, warum er Anfang Juli untertauchen muss? Ich sage nur, G20 Gipfel…

22. These: Ray Lewis wird Ritter – James Harrison sieht rot

Gemeinsam sorgen wir dafür, dass die Welt erfährt, was wirklich abgeht im Universum. Von der Tatsache, dass die Erde wie ein Football geformt ist, fange ich gar nicht erst an. Aber seid euch versichert, dass allein die AFC North viele Stories zu bieten hat, von denen ihr noch euren Enkelkindern berichten könnt.

Baltimore Ravens

Joe Flacco weint derzeit schwimmbeckengroße Freudentränen. Mit WR Jeremy Maclin hat er endlich eine Waffe zur Seite gestellt bekommen, die weiß, wie man Bälle fängt. In den kommenden Monaten wird der Quarterback der Ravens seine neue Lieblingsanspielstation täglich zum Training fahren, ihn am Wochenende mit zum Baseball oder mit ins Aquarium nehmen und am Dienstag gehen sie gemeinsam zum Salsa-Tanzkurs. Diese Liebe wird Früchte tragen. Flacco wird die beste Saison seines Lebens spielen – und damit an letztes Jahr anknüpfen (kein Scheiß, checkt die Stats). Er wird 4.800 Yards überschreiten, dabei 65% seiner Pässe anbringen und erstmals in seiner Karriere 30 TDs werfen.

Und Maclin steht ihm in nichts nach. 83 Catches für fast 1.500 Yards und 12 TDs wartet auch auf den neu Raven der Pro Bowl. Ganz nebenbei macht WR Breshad Perriman alle Fantasy-Football-Spieler happy. Fast 70 Catches und 10 TDs sind ne nette Marke.

Über das Laufspiel wird man aber auch nach 2017 den Mantel des Schweigens legen. Dabei fängt alles so vielversprechend an. Zum Saisonstart bei den Bengals findet RB Terrance West dreimal die Endzone. Eine Woche später erzielt er im Home Opener gegen die Browns 152 Rushing Yards. Doch die große Euphorie wird jäh gebremst beim Spiel in London gegen die Jaguars. West kommt mit dem Linksverkehr nicht klar und wird auf dem Weg vom Hotel zum Teambus von einem Fahrradfahrer erwischt. Er bricht sich den rechten Knöchel. Anschließend probieren sich so viele Spieler als Running Back, wie England Pubs hat. Ohne nennenswerten Erfolg.

Die Defensive, die einst Prunkstück der Ravens war, und die vergangene Saison die siebtwenigsten Yards (Platz 9 gg Pass; Platz 5 gg Lauf) zugelassen hat, gönnt sich eine längere Sommerpause als geplant. Die Bengals und Browns bedienen sich mit der großen Kelle und erzielen in Woche 1 und 2 je mehr als 500 Yards. Die Wende kommt auch hier in London. Nachdem er mit Prinz Harry dreitausend Hundewelpen vor dem Ertrinken in der Themse gerettet und anschließend von der Queen zum Ritter geschlagen wurde, nimmt sich Ray Lewis die Abwehrrecken der Ravens zur Brust. In der Kabine von Wembley hält er eine Ansprache, die so lang dauert wie ein Baseballspiel. Drei Spieler, die versuchen, sich zur Toilette zu schleichen, werden vom tödlichen Blick Lewis‘ getroffen. Ein anderer lässt anschließend einfach laufen. Doch all das spielt beim folgenden Auftritt gegen Jacksonville keine Rolle. Baltimore sackt Blake Bortles achtmal, forciert fünf Ballverluste und erobert nach dem Spiel noch Schottland und Wales. Die Ravens-D fegt in den folgenden Wochen über beinahe jeden Gegner hinweg wie eine nach tausenden Jahren zum Leben erweckte Hollywood-Mumie.

Keiner hatte die Herren aus Maryland auf der Rechnung. Doch am Ende feiern die Ravens ihren ersten Divisionstitel seit 2012.

Cincinnati Bengals

Ein Mann wird die Saison 2017 bei den Bengals dominieren – und zwar in jeder nur erdenklichen Form: Joe Mixon. Der Running Back, der 2014 mit einem einzigen Faustschlag eine junge Frau von Oklahoma nach Texas hat fliegen lassen, darf ran in der NFL. Wenn einer mit Jungs aus schlechtem Elternhaus umgehen kann, dann Marvin Lewis. Er macht Mixon noch vor der Preseason zum Starter. Und Mixon zahlt es mit Leistung zurück. Trotz Protestflaggen bei gleich mehreren Spielen (heim und auswärts) und trotz wiederkehrender Artikel in den Medien, die fragen, ob Mixon tatsächlich ein anderer Mensch sei als damals, liefert der Runner Woche für Woche ab. Am Ende ist es wohl nur sein Ruf, der den Titel Rookie des Jahres verhindert.

Mixons krasse Saison und eine überraschend solide O-Line machen das Leben unheimlich einfach für Andy Dalton. Der Quarterback verteilt fleißig Bälle an A.J. Green, Tyler Eifert und John Ross. Er ist auf dem besten Weg, persönliche Bestleistungen in Yards und TDs aufzustellen, da kommt ihm Myles Garrett in die Quere. Der Rookie Pass Rusher klatscht Dalton bei einem Blind-Side-Sack auf den Boden wie man eine Fliege an die Wand klatscht. Gehirnerschütterung. Dalton kann sich 14 Tage nicht an seinen Vornamen erinnern. Dafür werden sich alle NFL-Teams in Folge an einen anderen Namen erinnern: A.J. McCarron. Der zweite A.J. im Team der Bengals versteht sich vor allem mit dem ersten A.J. blendend, wirft in fünfeinhalb Spielen 8TDs auf Green und droht ab Weihnachten Jimmy Garoppolo den Titel „begehrtester Jung-QB“ streitig zu machen.

So großartig die Offensive auch spielt, die Verteidigung ist Müll. Pacman Jones, Dauergast im NFL Sünderpfuhl, wird von Roger für sechs Spiele gesperrt. Während dieser Sperre wird er verhaftet. Weshalb, entscheidet ihr (krasser virtueller Shit, den wir hier einbauen):

  • A) Beleidigung eines Polizisten
  • B) Schlägerei in einem Striplokal
  • C) Illegaler Waffenbesitz
  • D) Alles zusammen

Auch Vontaze Burfict kann mal wieder nicht sauber bleiben. Dieses Mal räumt er „Big Ben“ unsauber aus dem Weg. Wie eine Panzerabwehrrakete bohrt er sich in die Rippen des Steelers Quarterbacks bei dessen Versuch, nach einer Interception dem Geschehen aus dem Weg zu gehen. Daraufhin stürmt James Harrison den Rasen, greift Burfict an dessen Helm und wirft ihn wie ein nasses Handtuch auf eine Spielerbank. Beide Spieler dürfen bei Roger vorsprechen und werden für den Rest der Saison aus dem Verkehr gezogen.

Zu viel Drama, ist das Fazit der Bengals am Ende der Saison 2017. Und Marvin Lewis reitet endlich in den Sonnenuntergang. Ohne Titel.

Cleveland Browns

Rück rüber, LeBron James! Hier kommen die Cleveland Browns. Nach endlosen Jahren der Dunkelheit steigt der ewige Loser der NFL aus den Tiefen der Hölle empor und schickt sich an, nicht zu den schlechtesten Teams des Jahres zu gehören. Nach einer starken und aktiven Free Agency und nem fetten Draft rockt der Kader mehr als ein Live-Konzert gleich nebenan in der Rock’n’Roll Hall of Fame.

Und ich sage es voller Freude, liebe Brownies: Ihr werdet entzückt sein. Denn die Angst, mit der jeder von euch bis zum 1. Spieltag jeden Morgen aufsteht, die Angst, dass es doch nur ein Traum gewesen sein könnte, ist unbegründet. Mit Cody Kessler als QB1 gelingt den Browns zum Saisonstart daheim fast die Sensation gegen die Steelers (17:19). Eine Woche später werden aber die Ravens auseinandergenommen. Kessler ist der erste Quarterback seit 400 Trillionen Jahren mit 4 TDs in einem Spiel.

Zur Bye-Week steht Cleveland bei einer beachtlichen Bilanz von 3:5. Dennoch geht es nicht ganz ohne Drama. Vor der knappen 24:27-Niederlage gegen Minnesota in London wird Brock Osweiler gesehen, wie er mit einem Playbook unterm Arm in der Kabine der Vikings verschwindet. Am nächsten Morgen fliegt er mit dem ersten Flugzeug nach Deutschland und unterschreibt einen 2-Jahresvertrag bei den New Yorker Lions in Braunschweig. Die Footballerei bittet ihn noch am Ortseingangsschild Braunschweig zum Exklusivinterview.

Osweiler ist schnell vergessen und Cleveland hat sich vom Verrat noch schneller erholt. Kessler wirft in 14 Spielen 24 TDs und 16 INTs. Solide Leistung. WR Corey Coleman glänzt in seiner zweiten Saison mit 79 Catches für 1.126 Yards und 7 TDs. Rookie TE David Njoku kommt vor allem ab November in Fahrt und fängt insgesamt 11 TDs. In der Defense lassen alle Top-Rookies HC Hue Jackson wie ein Genie aussehen. S Jabrill Peppers ist eine Art Charles Woodson 2.0: Egal ob als Corner, Nickelback, Safety oder Returner – er sorgt für Action. Hinzu kommen 2 TDs als Running Back. Und Myles Garrett? Der spielt Katz und Maus mit seinen Gegnern. Er bringt es auf krasse 14 Sacks als Rookie. Kein Wunder, dass die Defensive von Platz 30 auf Rang 19 hochklettert.

Und dann die Überraschung: Obwohl Cleveland noch eine Chance von 2,4637% auf das Erreichen der Playoffs hat, setzt Jackson Kessler zu Weihnachten auf die Bank und bringt DeShone Kizer. An Heiligabend spielt dieser in Chicago (ganz in der Nähe seiner Uni Notre Dame) groß auf, bringt 21 von 28 Pässen für 299 Yards mit 3 TDs an. Doch an Silvester platzt der Traum wie eine Rakete. Kizer zeigt eine katastrophale Vorstellung (9 von 24 für 132 Yards mit 4 INTs), Cleveland verspielt die (zugegebenermaßen minimale) Chance auf die Playoffs und LeBron darf sich ein weiteres Jahr als King von Cleveland fühlen.

Pittsburgh Steelers

Rente hin. Rente her. Monatelang hielt Ben Roethlisberger die Steelers und ihre Fans auf Trab mit seinem Gelaber über ein mögliches Karriereende. Pittsburgh reagierte, gab Landry Jones eine Vertragsverlängerung und draftete Joshua Dobbs. Doch „Big Ben“ kam zurück – wie einst Brett Favre. Das Drama schien vergessen, aber zu früh gefreut. Denn dann kam jener schicksalhafte Tag im Dezember. Der Moment, in dem Vontaze Burfict Roethlisberger unsauber und unsanft ins Lazarett schickt. Noch vor Weihnachten gehen erneut Rücktrittsgerüchte um. Steeler Nation darf sich auf ein weiteres spannendes Frühjahr 2018 freuen.

Bis zu diesem Zeitpunkt ist die heilige Dreifaltigkeit der Offensive nicht zu stoppen: Roethlisberger, Le’Veon Bell und Antonio Brown. „Big Ben“ ist bis Dezember auf nem guten Weg, seine Bestleistung von 4.952 Yards anzugreifen. Seine Bestmarke von 32 TDs hat er bereits eingestellt gehabt. Bell wird die Saison mit 1.556 Yards und 19 Gesamt-TDs beenden. Brown fängt zum fünften Mal in Serie mehr als 100 Bälle in einer Saison (117) und packt 1.612 Yards drauf. Hinter ihm ist JuJu Smith-Schuster der neue zweite Mann. Der Rookie krallt sich fast 60 Bälle und macht Martavis Bryant überflüssig. Dieser kommt mit der Degradierung nicht klar. Er pumpt sich mit illegalen Substanzen voll, sieht Mitte November aus wie Barry Bonds mit Mitte 40 und wird natürlich erwischt. Sperre. Und tschüs!

Die Defensive darf sich vor allem auf Rookie T.J. Watt freuen. Der kleine Bruder von J.J. spielt, wie man es sich in Pittsburgh von einem Linebacker erwartet: knallhart, ohne Reue und mit ordentlich Bumms. Doch auch Watt kann den späten Fall der Steelers nicht verhindern. Das Aus von Harrison und Roethlisberger wiegt zu schwer. Jones ist als QB kein Ersatz und wird am 16. Spieltag schließlich selbst zum Ersatz. Dobbs weckt ein wenig Hoffnung. Doch am Ende reicht es nur zu Platz 2 in der Division und das Minimalziel Playoffs wird hauchdünn verpasst.

+++++++++++++++++++++++++

Das war es für diese Woche. Seid auch nächste Woche am Start, wenn ich euch erzähle, wie die Saison in der NFC North laufen wird.

In diesem Sinne,
Euer Stolle

Grafikquelle: UPROXX

Teilen:
Stolle
Geschrieben von Stolle
PR Pro (Hamburg Freezers, Oakland Raiders, NFL Europe) - Packer Backer - Dreamer - Hard Worker - Proud Dad.