Die New England Patriots. Für diese Antwort würd’s bei Jeopardy vermutlich keine 10$ geben. Die Frage? ‚Wie heisst der Gewinner der AFC EAST – seit 2009?‘. So ist es: seit 8 Jahren dominieren die Patriots ihre Division nach Belieben. Und kein Mensch weiß, warum sich das in naher Zukunft groß ändern sollte.

Vor allen Dingen nicht nach einer Offseason, die einerseits völlig untypisch für Bill Belichick und Konsorten ablief – und andererseits auch noch die vermutlich beste aller NFL-Teams war.


Zwei der letzten drei Super Bowls gewonnen, in der eigenen Division unantastbar, nun eine Offseason voller spektakulärer Neuzugänge. Es muss gerade ein gutes Gefühl sein, in Boston zu leben. Edelfans wie Mark Wahlberg, Ben Affleck oder Matt Damon sehen dies sicher ähnlich und grinsen sich durch Hollywood.

Ich nehme natürlich auch die anderen Bewerber um die Divisionskrone unter die Lupe – obwohl es für die Dolphins, Bills und Jets wohl auch 2017 nichts zu holen gibt. Aber anschauen kann man sich’s ja mal.


NEW ENGLAND PATRIOTS (Bilanz 2016: 14-2)

The greatest fans. #PatriotsNation

A post shared by New England Patriots (@patriots) on

Stärken:

Eins ist klar – der Neid JEDES anderen NFL-Teams (und deren Fans) ist den New England Patriots zu jeder Tages- und Nachtzeit sicher.

Das haben die Pats dann tatsächlich mit dem FC Bayern gemein. Genau hier hören die bei deutschen Fans (und Neidern) gern herangeführten Parallelen aber auch schon auf. Ablösesummen zahlt Belichick nämlich keine – und muss genauso mit dem Salary Cap arbeiten wie alle anderen 31 Kollegen in der Liga. Und wie dies der wohl beste Coach aller Zeiten allein in der letzten Woche getan hat, ist äusserst beeindruckend.

Mit Stephon Gilmore den begehrtesten Cornerback der Free Agency verpflichtet, Dwayne Allen aus Indianapolis als soliden Ersatz für Martellus Bennett geholt, Dont’a Hightower als absolute Führungsfigur in der Defensive gehalten und Kony Ealy als verspäteten Ersatz für Chandler Jones via Trade aus Carolina nach New England gelotst.

Ach ja, und mit Brandin Cooks aus New Orleans einen 1,000-Yard Receiver geklaut – die wohl beste Waffe auf dieser Position seit Randy Moss. In der Tat, äusserst beeindruckend.

Schwächen:

Moment, da muss ich genauer hinsehen… Okay, der Pass Rush gehört seit Jahren nicht gerade zu den Stärken in der Defensive von Coordinator Matt Patricia. Vor der vergangenen Saison ließen die Patriots Chandler Jones nach Arizona ziehen und ein richtiger Ersatz wurde schon letztes Jahr nicht gefunden.

Die beste Figur machte noch Defensive End Trey Flowers – aber ob Kony Ealy hier die endgültige Lösung ist, bleibt abzuwarten. Bei den Panthers war er nicht gerade beständig (im Super Bowl 50 ist er mit 3 Sacks aber immerhin knapp am MVP-Titel vorbeigeschrammt).

Ansonsten: alles gut. Brady hat ja noch ein paar Jahre.

Draft Needs:

  • Linebacker – obwohl mit Dont’a Hightower verlängert werden konnte, fehlt weiterhin ein ‚Partner-in-Crime‘ wie Jamie Collins als Starter neben ihm. Kyle van Noy, Shea McClellin und Elandon Roberts ist ein bisschen wenig für das Projekt Titelverteidigung.
  • Running Back – klar, einen hohen Draftpick wird Belichick dafür wohl nicht verschwenden, aber es muss ein Ersatz für LeGarrette Blount mit seinen knapp 1,200 Yards und 18 (!) Touchdowns 2016 her.
  • Offensive Tackle – Sebastian Vollmer ist (leider) weg. Marcus Cannon spielte eine sehr gute Saison, aber viel Tiefe hat der Kader auf der Position nicht zu bieten.

MIAMI DOLPHINS (Bilanz 2016: 10-6)

All aboard the Jay ?

A post shared by Miami Dolphins (@miamidolphins) on

Stärken:

Adam Gase war eine gute Entscheidung auf der Position des Head Coaches – mit diesem Gefühl in die Offseason zu gehen, ist doch schon mal eine neue Erfahrung für den gebeutelten Dolphins-Fan.

Klar, dass Matt Moore für Miami als Starter das Playoff-Spiel in Pittsburgh beginnen musste, war jetzt nicht zwingend ein gutes Vorzeichen für einen Auswärtssieg im Wild Card Game – aber ob Ryan Tannehill die Kohlen aus dem Feuer geholt hätte? Die Defensive der Dolphins hatte in diesem Spiel jedenfalls keine Antwort auf das Feuerwerk, das Le’Veon Bell und Antonio Brown abgebrannt haben.

In der Regular Season machte zumindest die Offensive einen (zumindest vorübergehend) guten Eindruck. Nach einem Saisonstart auf der Tribüne mauserte sich Jay Ajayi in seinem zweiten Jahr zu einem der besten Running Backs der Liga und schrieb mit mehreren Spielen mit über 200 Rushing Yards Geschichte.

Tannehill konnte so grösstenteils das spielen, was er kann: verwalten. In der Defensive von dem gerade als Head Coach zu den Broncos gewechselten Coordinator Vance Joseph überzeugten die Neuzugänge Kiko Alonso und Byron Maxwell.

Schwächen:

Die grösste Schwäche des gesamten Teams war wohl seine Unbeständigkeit. In allen Mannschaftsteilen wusste man nie, was einen Sonntag für Sonntag erwarten wird.

Legte die Defensive starke Auftritte wie zum Saisonauftakt in Seattle genauso hin wie Arbeitsverweigerungen in den Playoffs gegen die Steelers, war auch das Laufspiel um Ajayi keineswegs durchgehend beeindruckend. Allerdings war der Running Back hinter einer funktionierenden (wenn fitten) Offensive Line der Antriebsmotor im System von Gase.

Die Defensive Line hat nach der (folgerichtigen) Entlassung von DE Mario Williams und der Tatsache, dass außer Suh niemand den Lauf stoppen kann, eine Generalüberholung verdient. Cameron Wake wird auch nicht jünger (obwohl der 35-jährige jetzt nochmal einen neuen 2-Jahresvertrag unterschreiben durfte).

Draft Needs:

  • Guard – 1st-Round Pick Laremy Tunsil wurde in seiner Rookie-Saison als Guard an das Tempo in der NFL gewöhnt, wird aber kurz- bis mittelfristig auf seine angestammte Tackle-Position wechseln.
  • Defensive Tackle/End – außer Suh nix los im ‚Hard Rock Stadium‘. Williams ist Geschichte, Wake ist alt, Earl Mitchell in San Francisco.
  • Linebacker – neben Kiko Alonso holten die Dolphins nun Lawrence Timmons aus Pittsburgh. Guter Neuzugang. Aber für Koa Misi und Jelani Jenkins braucht’s sicherlich ein Upgrade.

BUFFALO BILLS (Bilanz 2016: 7-9)

When you wake up one hour closer to Buffalo Bills football. #DaylightSavings #GoBills

A post shared by Buffalo Bills (@buffalobills) on

Stärken:

LeSean McCoy ist noch nicht über dem Zenit und Sammy Watkins wird 2017 sein erstes komplett verletzungsfreies Jahr feiern dürfen. So könnte der Wunschzettel der Offseason für die (ebenfalls) leidgeplagten Fans der Bills aussehen. Immerhin wurde Tyrod Taylor als Quarterback nach langem Hin und Her vom Front Office in Buffalo zumindest als vorübergehende (und meiner Meinung nach absolut solide) Lösung auf dieser Position bestätigt – und nicht entlassen.

Der Fokus der Offensive lag sowieso woanders: das Laufspiel der Bills war das mit Abstand beste der Liga. Als jeweils einziges Team mit einem Schnitt über 5 Yards/Lauf und über 150 Rushing Yards/Spiel. Dass in einem solchen System der Quarterback wenig Einfluss nimmt, überrascht nicht.

Die Frage ist eher – würde ein anderer Spieler hier zu einem ausgeglichenerem Gameplan führen? Der neue Head Coach Sean McDermott (kommt aus Carolina) wird sich diese Frage stellen müssen.

Schwächen:

Genau diese offensive Einseitigkeit ist Fluch und Segen in Buffalo zugleich. Eine Defensive, die 2016 zu den schlechtesten Laufverteidigungen der NFL gehörte, ließ es selten zu, in aller Ruhe und bis zum bitteren Ende sein Laufspiel durchzuziehen.

Und so stand Buffalo mit Ex-Coach Rex Ryan oft genug vor unlösbaren Problemen, wenn ein Spiel durch einen nur bei langen Bällen akkuraten Quarterback und einen unfitten, weil durchgehend angeschlagenen Sammy Watkins gedreht werden sollte.

Draft Needs:

  • Wide Receiver – an einem weiteren ‚Playmaker‘ neben Watkins führt kein Weg vorbei. Da Watkins in seiner NFL-Karriere entweder verletzt aus- oder hauptsächlich durch tiefe Passrouten auffiel, wäre ein verlässlicher ‚Possession Receiver‘ wie Julian Edelman oder Jarvis Landry eine ideale Ergänzung.
  • Right Tackle – während Cordy Glenn auf der linken Seite einer der wenigen Eckpfeiler dieses Teams ist, ist die rechte Tackle-Position ein großes Fragezeichen. Jordan Mills kehrt als unterdurchschnittlicher Starter zurück, dazu muss Seantrel Henderson noch 4 Spiele Sperre durch die NFL absitzen.
  • Cornerback – Top-Corner Stephon Gilmore spielte eine überraschend schlechte Saison 2016 und hat nun beim Super Bowl-Sieger aus New England unterschrieben.

NEW YORK JETS (Bilanz 2016: 5-11)

Thank you, 1️⃣5️⃣.

A post shared by New York Jets (@nyjets) on

Stärken:

Bye, bye, Brandon. Und Marshall steht wie kein anderer für die vermeintlichen Stärken des Teams, die 2016 aber durch die Bank dann doch keine waren. Neben der mittlerweile zu den Giants abgewanderten Diva konnte auch Quarterback Ryan Fitzpatrick sein ‚magisches‘ Vorjahr nicht wiederholen. Oh nein, ganz und gar nicht. Die Offensive der Jets mutete bisweilen wie Slapstick an, so katastrophal waren einige Auftritte von Fitzpatrick.

Hinter dieser Offensive Line (die nun auch noch den langjährigen Center Nick Mangold verlor) konnte FitzMagic sicher schwer glänzen – Left Tackle Ryan Clady war (wie zu erwarten) eine große Enttäuschung, sein Gegenüber Ben Ijalana wird zusammen mit Neuzugang Kelvin Beachum (aus Jacksonville) das Tackle-Tandem 2017 bilden.

Guard James Carpenter war neben Mangold immerhin eine weitere verlässliche Größe und zumindest für das Run Blocking zu gebrauchen.

Schwächen:

Darrelle Revis wurde 2007 von den Jets als 1st-Round Pick in die NFL geholt – 10 Jahre später ist der Honeymoon vorüber, er wurde entlassen. Revis war nicht mehr wieder zu erkennen und wurde 2016 regelmäßig vor allem von schnellen Receivern geradezu vorgeführt. Revis Island ist gesunken. Schön war die Zeit.

Das grösste Fragezeichen im gesamten Kader ist natürlich das denkbar ungünstigste: Quarterback. Fitzpatrick erlebte 2015 ein paar zauberhafte Wochen (die ihm Millionen aufs Konto spülten), ist aber Stand heute meilenweit davon entfernt, in dieser Saison nochmal das Trikot der Jets zu tragen. Geno Smith wird dies auch nicht tun (dürfen).

Draft Needs:

  • Quarterback – wird es Trubisky oder Watson? Die Jets picken an Nummer 6. Zu früh?
  • Nose Tackle – ein doppelt schmerzlicher Verlust 2015 war jener von Damon Harrison, der bei den Jets nicht nur durch Steve McLendon kaum ersetzt werden konnte, sondern auch noch ausgerechnet bei den Giants eine große Saison spielte.
  • Center – Nick Mangold fiel dem Cut zum Opfer. Aus finanziellen Gründen. Der langjährige Leistungsträger wird fehlen. Auf dem Platz und im Locker Room.
  • Cornerback – Morris Claiborne kam zwar als Free Agent aus Dallas, wird aber die Probleme dieser Passverteidigung nicht alleine lösen.
  • Running Back – in Runde 1 könnte den New Yorkern ein Spieler wie Fournette oder Dalvin Cook in den Schoß fallen… Matt Forte läuft bereits auf den Felgen. Ein Nachfolger muss her.

Damit hätten wir die AFC East abgehakt – kommenden Freitag geht’s hier weiter mit den East-Teams aus der NFC.

Bis denne,

Detti sagt Servus.

 

Foto-Quelle: Instagram

Teilen:
Detti
Geschrieben von Detti
Fantasy Nerd - Seahawks-Fan seit den frühen 2000ern (als Mike Holmgren dünn war und Matt Hasselbeck Haare hatte) - Kellerkind - königlich-bayrisches Konsulat der Footballerei