Es gibt Typen in der NFL, die stechen jede Woche aufs Neue mit ihren sportlichen Höchstleistungen heraus. Und es gibt Typen, die regelmäßig für Schlagzeilen außerhalb des Football-Rasens sorgen. J. J. Watt ist einer der ganz wenigen Typen, die sowohl das eine als auch das andere liefern. Auf ihn ist Verlass.

Wenn der Defensive End fit ist, ist er der Beste auf seiner Position in der gesamten Liga. Und das schon seit Jahren! Tackles, Sacks, Interceptions, Safetys, Touchdowns – J. J. Watt kann alles! „Meister Proper“ sammelt regelmäßig neue Rekorde und ist DAS Gesicht der Houston Texans. Eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Der heute 28-Jährige wird nach Ende seiner aktiven Karriere in die „Hall of Fame“ der NFL aufgenommen.


Das Bemerkenswerte: Watt geht immer fair zur Sache, handelt stets im Rahmen des Erlaubten. Fiese Aktionen im Rücken der Schiedsrichter oder respektlose, abfällige Gesten gegenüber seinen Gegenspielern – all das hat J. J. nicht nötig. Er ist der eisenharte „Good Guy“ der NFL.

Game Week. Finally.

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J. J. Watt liefert Storys am Fließband

Für die Liga ist Watt damit ein Geschenk. Sie schmückt sich gern mit Typen, die ausnahmslos für positive PR sorgen. Commissioner Roger Goodell betet wahrscheinlich täglich, dass J. J. noch viele weitere Jahre seine Knochen als Imageträger hinhält. In Zeiten, in denen über gesundheitliche Spätfolgen von Gehirnerschütterungen diskutiert wird (Stichwort CTE) und zahlreiche NFL-Spieler entweder eine Frau vermöbeln oder besoffen am Steuer erwischt werden, ist Watt für Goodell der Fels in der Brandung. Die Wuchtbrumme ist jeden Cent seines Multi-Millionen-Gehalts wert.

Denn auch sein Privatleben macht den 1,96m-Hünen (bei 131 Kilo Kraft) besonders. J. J. hat noch zwei Brüder: Derek und T. J. Watt. Und beide spielen ebenfalls in der NFL. Derek seit 2016 als Fullback bei den Los Angeles Chargers. T. J. seit dieser Saison für die Pittsburgh Steelers. Der Rookie-Linebacker überzeugte jüngst in seinem Profi-Debüt gegen die Cleveland Browns mit u. a. zwei Sacks und einer Interception.

Die Watts sind eine Football-Familien-Saga, die die NFL genüsslich für ihre Zwecke „ausschlachten“ kann.

J. J. Watt ist ein Gutmensch

Hinzu kommt die ausgeprägte soziale Ader von Justin James (so J. J.’s bürgerlicher Vorname). Der „ideale Schwiegersohn“ lässt keine Gelegenheit in der Öffentlichkeit aus, seiner Mutter Connie zu sagen, wie toll sie doch ist und wie lieb er sie hat. So was mag der Ami. Selbstverständlich kauft er ihr auch regelmäßig schöne Dinge (u. a. 2014 einen neuen Range Rover zum Geburtstag). Zudem betont er auch immer wieder, wie viel er seinem Vater John (ein Feuerwehrmann) zu verdanken hat. „Family first“ – Watt ist ein Vorbild im gesellschaftlichen Leben der USA.

Sein großes Herz bewies J. J. Watt auch wieder, als er jüngst eine Spenden-Aktion für die Flut-Opfer des Tropensturms „Harvey“ in Houston ins Leben rief. Dank seiner Initiative sind mittlerweile über 30 Millionen (!) Dollar zusammen gekommen. Seine eigene Stiftung setzt sich seit Jahren für sozial benachteiligte Kinder ein. Mama Connie sitzt im Vorstand dieser Einrichtung.

Weil er so ist, wie er ist, liegen J. J. Watt auch die Frauen zu Füßen. Die Liste seiner Verehrerinnen ist lang. Millionen Mädchen träumen davon, an der Seite dieses angehimmelten Mannes zu stehen. Watt befeuerte diese Sehnsucht, in dem er jahrelang auf die Frage, ob er denn eine Freundin habe, antwortete: „Nein. Ich träume zwar von einer eigenen Familie. Bin aber zu misstrauisch, ob es meiner Freundin letztlich nicht nur um mein Geld und meinen Ruhm geht.“

Lucky man. @kealiamae

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Im vergangenen Jahr scheint er seine Bedenken über Bord geworfen zu haben. Seit 2016 ist J. J. Watt mit Kealia Ohai (Jahrgang 1992) liiert. Einer US-Profi-Fußballerin, die für Houston Dash kickt. Deren Schwester Megan ist übrigens mit Watts Team-Kollegen Brian Cushing verheiratet…

Ein herausragender Athlet und ein fürsorglicher Privatmann. Eine verbale Entgleisung oder gar einen handfesten Skandal? Nein, für negative Publicity sorgt J. J. Watt nie.

Der Körper ist sein einziger Feind

Blöd nur, dass Watt in der Vergangenheit oft pausieren musste. Die vergangene Saison verpasste er wegen Verletzungen und Operationen fast komplett. Seine aufopferungsvolle Spielweise ist Gift für seinen Körper.

Nun steht er wieder auf dem Rasen. Ärgerlich aber, dass die Texans in der Krise stecken. Das erste Spiel gegen die Jacksonville Jaguars hat Houston voll vergeigt. Heute Nacht geht’s nun gegen die ebenfalls schwächelnden Cincinnati Bengals. NFL-Boss Goodell wird vermutlich J. J. Watt & Co. die Daumen drücken. Denn ein Super-Held, der auch Spiele gewinnt, lässt sich noch besser vermarkten…

 

Foto-Quelle: Instagram

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Kucze
Geschrieben von Kucze
15 Jahre Sport-Redakteur (BZ, BILD, BamS) * jetzt selbstständig * NFL-Fan seit 2001 * Buch-Autor "NFL Boulevard" * Groundhopper