Mord, Rache, Hass, Raub, Eifersucht und Exekutionen. Darum ging’s vergangenen Donnerstag im 1. Teil der „größten Kriminalfälle der NFL“. In den Hauptrollen: Aaron Hernandez, Lawrence Phillips, Ray Lewis, Jovan Belcher, Sean Taylor und O. J. Simpson. Nun also die Fortsetzung. Und ich kann euch versprechen: Auch in diesen Krimis tun sich wahre Abgründe auf. Es geht u.a. natürlich erneut um Mord, um Vergewaltigungen, um Attentate, um Hundekämpfe und um Auftragskiller. Der Fundus von NFL-Stars, die in ein Verbrechen verwickelt waren, ist schier unendlich. Wie bereits erwähnt: In den letzten fünf Jahren wurde durchschnittlich jede Woche (!) ein NFL-Profi verhaftet.

Ich bin wieder tief ins Archiv gestiegen und dokumentiere euch sechs weitere atemberaubende Storys aus dem echten Leben rund um unsere Lieblingsliga.


Holt das Popcorn raus!

Die größten Kriminalfälle der NFL (Teil 2)


Rae Carruth

Was machen, wenn die Geliebte schwanger ist, man(n) aber keine Lust auf Unterhaltszahlungen hat? Richtig, sie töten! Nur diesen Ausweg sah zumindest der frühere Wide Receiver der Carolina Panthers.

Carruth, 1997 in der 1. Runde an 27. Stelle von den Panthers gedraftet und danach mit einem Vierjahres-Vertrag für 3,7 Mio. Dollar ausgestattet, gab ein Kapitalverbrechen in Auftrag: Er hat einen Killer engagiert.

Der 16. November 1999: Cherica Adams, die hochschwangere Freundin von Carruth, sitzt nach einem Kinobesuch in ihrem schwarzen BMW. Dann knallen plötzlich Schüsse durch die Luft. Adams wird von vier Kugeln in Hals, Brust und Bauch getroffen, sackt zusammen. Während das Baby, ein Junge, per Not-Kaiserschnitt (zehn Wochen vorm errechneten Geburtstermin) gerettet werden kann, stirbt seine Mutter vier Wochen später an ihren schweren Verletzungen.

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Der Schuldige dieser Gräueltat ist schnell gefunden. Carruth soll einen Auftragskiller angeheuert haben, der Adams „entsorgt“. Verhaftet wird Rae auf dem Parkplatz eines Motels im Kofferraum eines Toyotas, in dem er sich versteckt hatte.

Die Staatsanwaltschaft in Charlotte verknackte den hochtalentierten Passempfänger zu 18 Jahren Haft. Heißt: Nächstes Jahr könnte Carruth wieder frei kommen…


Darrent Williams († 24)

Der Cornerback wurde 2005 in der 2. Runde an 56. Stelle von Denver gedraftet. In den darauffolgenden zwei Spielzeiten gelangen ihm für die Broncos ingesamt u.a. 139 Tackles und sechs Interceptions (zwei davon verwandelte er in Touchdowns). Am 31. Dezember 2006 machte er sein letztes Spiel (23:26 gegen die San Francisco 49ers). Wenige Stunden später war er tot…

In dieser Silvesternacht war Williams Gast auf der Geburtstagsparty von NBA-Basketballer Kenyon Martin (Denver Nuggets) in der Diskothek „Safari“. Auf der Rückfahrt, am frühen Morgen des 1. Januar 2007, feuerten Unbekannte plötzlich aus einem vorbeifahrenden Wagen auf sein Miet-Auto (ein „Hummer“). Williams wurde tödlich im Nacken getroffen, Teamkollege Javon Walker blieb unverletzt. Zwei weitere Personen, die ebenfalls im Auto saßen, konnten einen Tag nach der Schießerei das Krankenhaus wieder verlassen.

Am 11. März 2010 wurde Willie Clark, ein Mitglied der Straßengang „Crips“, wegen des Mordes an Williams zu lebenslanger Haft verurteilt. Recherchen der Polizei ergaben, dass es in Williams’ Todes-Nacht zuvor einen Streit auf der Geburtstagsparty zwischen „Crips“-Mitgliedern und anderen Gästen gab. Williams soll an dem Streit nicht beteiligt gewesen sein. Im Gegensatz zu Denvers damaligen Wide Receiver Brandon Marshall (jetzt New York Jets)., der laut „ESPN“ einer der Anstifter des Konflikts war…


 Anthony Smith

Einst ein gefürchteter Defensive End der Los Angeles/Oakland Raiders (1991 – 1997). Jetzt bis zum Ende seines Lebens im Gefängnis. Er wurde am 22. Januar 2016 in Los Angeles wegen dreifachen Mordes zu 3x lebenslanger Haft ohne Aussicht auf vorzeitige Entlassung verurteilt.

Smith, 1990 als Elfter im NFL-Draft gezogen, wurde schuldig gesprochen, im November 1999 zwei Brüder gequält und erschossen sowie im Juni 2001 eine weitere Person erstochen zu haben. Mögliches Motiv: Rache! Die drei Männer sollen Smith zuvor entführt und gefoltert haben.

Unfassbar: Smith hat offenbar noch viel mehr auf dem Kerbholz. In zwei Fällen konnte der den Kopf aber noch mal aus der Schlinge ziehen.

Die Tötung eines Kumpels 2008 konnte ihm nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. In diesem Gerichtsprozess (Anklage Mord) wurde Smith 2011 freigesprochen.

Auffällig wurde der frühere Quarterback-Jäger (51,5 Karriere-Sacks) auch schon 2003. Damals wurde er beschuldigt, Brandbomben auf ein Möbelhaus geworfen zu haben. Da sich die Jury aber nicht auf ein Urteil einigen konnte, wurde die Anklage fallen gelassen.


Darren Sharper

Insgesamt 14 Jahre NFL. 943 Tackles. 63 Interceptions, von denen er 11 in die gegnerische Endzone trug. Super Bowl-Triumph mit den New Orleans Saints (2010). 5x Pro Bowl. Der Safety blickt auf eine überdurchschnittlich erfolgreiche Karriere zurück.

In Erinnerung wird er aber wohl vor allem als Frauenschänder bleiben…

Im Februar 2014 musste sich Sharper vor Gericht verantworten. Der widerliche Vorwurf: Betäubung und anschließende Vergewaltigung von zwei Frauen in Los Angeles im Oktober 2013 und Januar 2014. Und das waren keine Einzelfälle. Der knallharte Ex-Verteidiger wurde in drei weiteren US-Staaten (Louisiana, Nevada, Arizona) angeklagt, weil er mehrfach Frauen unter Drogen gesetzt und dann vergewaltigt hatte. Insgesamt ist von 16 (!) dieser Vorfälle die Rede.

Darren Sharper

Sharper gestand. Das erste Urteil: Neun Jahre Knast. Nach einer Revision in 2016 wurde das Strafmaß noch mal verdoppelt. Heißt: Sharper muss 18 Jahre hinter schwedischen Gardinen verbringen.

„Ich möchte mich bei den Opfern tausendmal entschuldigen“, sagte er vor der Urteilsverkündung. „Ich habe abscheuliche Entscheidungen getroffen. Ich versuche noch immer herauszufinden, warum ich das tat.“ Einsicht, der erste Weg zur Besserung?


Antonio Armstrong († 42)

Was für ein unfassbares Familien-Drama.

Der frühere NFL-Linebacker (1995 vier Spiele für die Miami Dolphins) und seine Frau Dawn († 42) wurden in den frühen Morgenstunden des 29. Juli 2016 im Schlafzimmer ihres Hauses in Bellaire/Texas kaltblütig erschossen. Dringend tatverdächtig: Ihr 16jähriger Sohn AJ…!

Dessen Motiv ist weiter völlig unklar. Er war es, der in der Nacht per Notruf die Polizei rief. Im Verhör verstrickte er sich dann in Widersprüche und sitzt seitdem wegen Mordverdacht in U-Haft.

Mysteriös: Neben der Tatwaffe lag ein handgeschriebener Zettel mit der Aufschrift „Ich habe euch beobachtet“. Schlimm: Als die Armstrongs erschossen wurden, befanden sich auch ihre weiteren zwei Kinder (Josh/20, Kayra/12) im Haus.

Anzeichen für dieses Drama gab’s nicht. Die Armstrongs galten als Vorzeige-Familie.


Michael Vick

Der „first overall pick“ im NFL-Draft 2001 (ausgewählt von den Atlanta Falcons) wird am 10. Dezember 2007 zu 23 Monaten Knast verurteilt, von denen er 18 Monate im Staatsgefängnis von Leavenworth/Kansas abbrummt und den Rest im offenen Vollzug mit elektronischen Fußfesseln verbringen darf.

Bei einer Durchsuchung seines Landhauses in Surral County/Virginia am 25. April 2007 wurden über 50 Hunde beschlagnahmt, die für Hundekämpfe abgerichtet wurden. Drei Monate später wurden „Superman“ (sein NFL-Spitzname) und drei seiner Komplizen angeklagt. Das Quartett soll die Hunde illegal über Grenzen geschmuggelt und viel Geld auf den Ausgang der Kämpfe gesetzt haben. Zusätzlich sollen sie die „Verlierer“ getötet haben, u.a. mit Elektroschock-Geräten.

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Das Ende seiner NFL-Karriere bedeutete seine Verurteilung jedoch nicht. Vick verteilte ab der Saison 2009 erst für die Philadelphia Eagles, dann für die New York Jets und in der vergangenen Saison als Ersatzmann von Ben Roethlisberger bei den Pittsburgh Steelers die Bälle. Derzeit ist er vertragslos.

Selbst US-Präsident Barack Obama meldete sich in der „Causa Vick“ zu Wort: „In Amerika hat jeder eine zweite Chance verdient.“

Na dann… Bleibt sauber!

 

Foto-Quellen: Instagram, Flickr

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Kucze
Geschrieben von Kucze
Sport-Redakteur (BZ, BILD, BamS) * jetzt selbstständig * NFL-Fan seit 2001 * Groundhopper * Erdmännchen-Lobbyist