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25. Oktober 2026

Horst Mühlmann: Vom Schalke-Tor in die NFL

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Deutsche Football-Legenden: In dieser Serie erzählen wir die Geschichten der Deutschen, die den Football hierzulande geprägt haben, auf dem Feld, an der Seitenlinie und manchmal auf ganz unerwarteten Wegen.

Horst Mühlmann stand bei Schalke 04 im Tor, als die Bundesliga 1963 startete. Sechs Jahre später schoss er Field Goals für die Cincinnati Bengals. Der Maurer aus dem Ruhrgebiet war von 1969 bis 1977 Kicker in der AFL und NFL, sechs Jahre in Cincinnati, drei in Philadelphia, und gehört damit zu den ersten Deutschen, die es im amerikanischen Profi-Football geschafft haben.

Horst Mühlmann im Steckbrief

  • Geboren: 2. Januar 1940 in Dortmund
  • Gestorben: 17. November 1991 in Selm
  • Fußball: Torwart bei BV Brambauer, Borussia Dortmund (Jugend), FC Schalke 04 (1961–1966), Bonner SC (1966/67), Kansas City Spurs (1968)
  • Position im Football: Kicker, Trikotnummer 16
  • Teams: Cincinnati Bengals (1969–1974), Philadelphia Eagles (1975–1977)
  • Karrierebilanz: 121 Spiele, 154 von 239 Field Goals, 245 von 257 Extrapunkten, 707 Punkte
  • Längstes Field Goal: 53 Yards (1970)

Ein Torwart aus dem Revier

Mühlmanns Geschichte beginnt nicht auf einem Footballfeld, sondern zwischen zwei Pfosten mit Netz. Er spielt in der Jugend des BV Brambauer und bei Borussia Dortmund, schafft beim BVB aber nicht den Sprung zu den Profis. 1961 wechselt er zum FC Schalke 04, und als 1963 die Bundesliga startet, steht er für die Königsblauen im Tor. Bis 1966 bleibt er in Gelsenkirchen, danach hält er eine Saison für den Bonner SC.

Nebenher arbeitet Mühlmann als Maurer, Fußballprofi im heutigen Sinn ist in den 60ern kaum jemand. Für einen Torwart mit kräftigem Abstoß gibt es zu dieser Zeit allerdings einen Markt, an den in Deutschland niemand denkt.

Horst Mühlmann als Torwart des FC Schalke 04 hält im Oktober 1964 gegen Hertha BSC den Ball sicher
Horst Mühlmann im Tor von Schalke 04, Oktober 1964 gegen Hertha BSC. Foto: IMAGO

Über die NASL in den Football

1968 geht Mühlmann in die USA und spielt für die Kansas City Spurs in der North American Soccer League. Er kommt dort nur auf einen Einsatz. Wichtiger ist, was er in Amerika entdeckt: Die Teams der AFL und NFL suchen gerade Kicker, die den Ball wie Fußballer seitlich mit dem Spann treffen. Dieser „Soccer-Style“ setzt sich in den 60ern gegen die alte Technik durch, bei der die Kicker frontal mit der Schuhspitze durch den Ball gehen. In Kansas City kicken die Chiefs zu dieser Zeit schon mit dem Norweger Jan Stenerud, einem der ersten großen Soccer-Style-Kicker.

1969 landet Mühlmann bei den Cincinnati Bengals. Das Team ist erst ein Jahr zuvor von Paul Brown gegründet worden und spielt noch in der AFL. Mühlmann ist bei seinem ersten Profispiel 29 Jahre alt, für einen Rookie ungewöhnlich spät. Er kickt in seiner ersten Saison 16 von 24 Field Goals und kommt auf 80 Punkte. Mit dem Zusammenschluss von AFL und NFL 1970 ist er dann offiziell NFL-Spieler.

Cincinnati: Ein Bein für die langen Kicks

In Cincinnati macht sich Mühlmann einen Namen als einer der weitesten Kicker seiner Zeit. 1970 trifft er viermal aus 50 Yards oder mehr, ein Vereinsrekord, den erst Evan McPherson 2021 gebrochen hat. Im selben Jahr gelingt ihm sein längstes Field Goal über 53 Yards. Nach dem Zusammenschluss der Ligen ist er der erste Kicker, der in drei Spielen hintereinander ein Field Goal aus mehr als 50 Yards verwandelt.

Eine Anekdote aus der Preseason 1971 zeigt, wie viel Kraft in seinem Bein steckte: Gegen die Green Bay Packers landen alle sechs seiner Kickoffs in der Endzone, die Packers kommen damit auf keinen einzigen Yard Return. Seine beste Saison spielt er 1972 mit 27 Field Goals und 111 Punkten. Dazu kommen 101 Extrapunkte in Folge, die bis 1997 Bengals-Rekord bleiben.

Zweimal erreicht er mit Cincinnati die Playoffs. 1970 geht er im einzigen Versuch leer aus, nach der Saison 1973 verwandelt er dann alle drei Field Goals und einen Extrapunkt. Weiter kommen die Bengals trotzdem nicht, beide Playoff-Spiele gehen verloren.

Schwarz-Weiß-Aufnahme: Horst Mühlmann mit der Nummer 16 beim Kick in einem NFL-Spiel
Horst Mühlmann mit der Nummer 16 beim Field Goal. Foto: IMAGO

Philadelphia: Die letzten drei Jahre

1975 holen die Philadelphia Eagles Mühlmann per Trade. In seiner ersten Saison dort trifft er 20 von 29 Field Goals, das längste davon aus 51 Yards. Danach geht die Kurve nach unten: 1976 versucht er nur noch 16 Field Goals, 1977 kommt er in neun Spielen auf drei Treffer bei acht Versuchen. Mit 37 Jahren ist seine Profikarriere vorbei.

Über die Eagles und ihre Fans haben wir übrigens eine ganze Folge gemacht: Im „NFL Boulevard“ #74 zur Faszination Eagles ist auch Horst Mühlmann Thema.

707 Punkte: Mühlmanns Karriere in Zahlen

Über neun Spielzeiten kommt Mühlmann auf 707 Punkte in der regulären Saison. Seine Field-Goal-Quote von 64,4 Prozent wirkt heute niedrig, gehört aber in den Kontext der Zeit: Mühlmann versuchte viele lange Kicks, und bis 1974 standen die Torstangen noch direkt auf der Goal Line statt am Ende der Endzone. Wer die Regeln rund um Field Goals und Extrapunkte nachlesen will, findet sie in unserem Guide zu den American-Football-Regeln.

SaisonTeamSpieleField GoalsExtrapunkteLängstes FGPunkte
1969Bengals (AFL)1416/2432/335080
1970Bengals1425/3733/3353108
1971Bengals1420/3631/315191
1972Bengals1427/4030/3151111
1973Bengals1421/3131/325194
1974Bengals1411/1832/354765
1975Eagles1420/2921/245181
1976Eagles1411/1618/194451
1977Eagles93/817/194426
Gesamt121154/239245/25753707
Reguläre Saison. Quelle: Pro Football Reference

Zurück nach Selm

Sein Geld aus Amerika steckt Mühlmann in ein Mehrfamilienhaus in Selm, wo er mit seiner Familie lebt. Am 17. November 1991 stirbt er dort mit 51 Jahren an einer chronischen Lungenkrankheit. In Cincinnati hat man ihn nicht vergessen: Im heutigen Paycor Stadium der Bengals sind die „Horst Mühlmann Bars“ auf der Plaza-Ebene nach ihm benannt.

Zehn Jahre nach Mühlmanns Debüt folgte mit dem gebürtigen Berliner Uwe von Schamann der nächste deutsche Kicker, er schoss ab 1979 für die Miami Dolphins. Wie viele Deutsche seitdem in der NFL gespielt haben und wer gerade aktiv ist, zeigt unsere Übersicht der deutschen NFL-Spieler. Der erste Spieler, der Football in Deutschland gelernt hatte und im NFL Draft ausgewählt wurde, kam erst 2009: Offensive Tackle Sebastian Vollmer.

Unsere Einordnung

Horst Mühlmann hat den deutschen Football nicht aufgebaut, als er spielte, gab es hierzulande noch kaum Teams. Seine Bedeutung liegt woanders: Er war der Erste, der gezeigt hat, dass ein Sportler aus Deutschland in der besten Football-Liga der Welt eine lange Karriere haben kann, und zwar ausgerechnet über den Fußball. Neun Jahre als Kicker sind auch heute eine Leistung. Dass ein Bundesliga-Torwart aus dem Ruhrgebiet in Cincinnati eine Bar mit seinem Namen hat, ist eine der schönsten Geschichten, die diese Serie zu erzählen hat. Ein Fußballer aus dem Revier, der im Football landete, war später auch Ex-BVB-Torjäger Manfred Burgsmüller, er taucht im Porträt über „Mega Max“ von Garnier auf. Alle Teile der Serie findet ihr in der Übersicht Deutsche Football-Legenden.

Häufige Fragen zu Horst Mühlmann

War Horst Mühlmann der erste Deutsche in der NFL?

Er gilt als erster deutscher Profi im modernen US-Football. Er debütierte 1969 für die Cincinnati Bengals, die damals noch in der AFL spielten, und war ab 1970 nach dem Zusammenschluss der Ligen NFL-Spieler.

Für welche Fußballvereine spielte Horst Mühlmann?

Als Torwart für den FC Schalke 04 (1961–1966), mit dem er in der ersten Bundesliga-Saison 1963/64 dabei war, danach für den Bonner SC und 1968 für die Kansas City Spurs in der NASL. In der Jugend spielte er für BV Brambauer und Borussia Dortmund.

Wie viele Punkte erzielte Horst Mühlmann in AFL und NFL?

In 121 Spielen der regulären Saison kam er auf 707 Punkte: 154 Field Goals und 245 Extrapunkte. Sein längstes Field Goal ging 1970 über 53 Yards.

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