Öffnet in einem neuen Tab
25. Oktober 2026

Uwe von Schamann: Der Berliner Kicker der Miami Dolphins

Beitrag teilen: 

Deutsche Football-Legenden: In dieser Serie erzählen wir die Geschichten der Deutschen, die den Football hierzulande geprägt haben, auf dem Feld, an der Seitenlinie und manchmal auf ganz unerwarteten Wegen.

Uwe von Schamann ist ein gebürtiger Berliner, der als Kicker der Miami Dolphins zweimal im Super Bowl stand. Geboren 1956 in West-Berlin, kam er als Teenager nach Texas, wurde an der University of Oklahoma mit einem Field Goal gegen Ohio State zur Legende und kickte von 1979 bis 1984 für Miami. Im Super Bowl XVII und XIX verloren die Dolphins jeweils, von Schamann selbst traf in beiden Endspielen alle seine Kicks.

Uwe von Schamann im Steckbrief

  • Geboren: 23. April 1956 in Berlin
  • Position: Kicker
  • College: University of Oklahoma (Sooners), National Champion 1975
  • Draft: 1979, 7. Runde, Pick 189, Miami Dolphins
  • NFL-Karriere: Miami Dolphins (1979–1984)
  • Bilanz: 101 von 149 Field Goals, 237 von 250 Extrapunkten, 540 Punkte
  • Super Bowls: XVII (17:27 gegen Washington) und XIX (16:38 gegen San Francisco)

Vom Fußballtor in Berlin zum Football in Texas

Uwe von Schamann wächst in West-Berlin mit Fußball auf, American Football spielt in seiner Kindheit keine Rolle. Mit 16 zieht er nach Fort Worth in Texas, und an der Eastern Hills High School merken die Coaches schnell, was ein junger Mann mit europäischer Schusstechnik für ein Footballteam wert ist. 1975 macht er seinen Abschluss und bekommt ein Football-Stipendium der University of Oklahoma.

Den Fußball lässt er trotzdem nicht ganz los. In Norman steht er für den Fußballklub der Uni im Tor, die Dallas Tornado aus der nordamerikanischen Profiliga NASL ziehen ihn sogar im Draft. Gegen die etablierten Torhüter dort rechnet er sich aber keine Chance aus. Die Entscheidung fällt für das Ei, und bei den Sooners gehört er schon im ersten Jahr zum Team, das 1975 die nationale College-Meisterschaft holt.

„The Kick“: der Dirigent von Columbus

Seinen Platz in der Oklahoma-Geschichte sichert er sich am 24. September 1977 in Columbus. Die Sooners, damals Nummer 3 im Land, spielen bei der Nummer 4 Ohio State vor 88.119 Zuschauern. Oklahoma führt schnell 20:0, auch dank zweier Field Goals von von Schamann. Dann dreht Ohio State das Spiel und liegt im dritten Viertel 28:20 vorn. Oklahoma kommt nach einem Fumble der Buckeyes zum Touchdown heran, die Two-Point-Conversion zum Ausgleich scheitert. Beim Stand von 26:28 holen sich die Sooners den Onside Kick zurück, und 1:21 Minuten vor Schluss beginnt der letzte Drive.

Sechs Sekunden vor dem Ende steht von Schamann für ein Field Goal aus 41 Yards bereit. Ohio-State-Coach Woody Hayes nimmt eine Auszeit, um den Kicker nervös zu machen, das Stadion brüllt „Block that kick“. Von Schamann zieht den Helm ab, dreht sich zu den Rängen und dirigiert den Sprechchor mit beiden Armen mit. Danach trifft er, Oklahoma gewinnt 29:28. Später sagte er, das Dirigieren sei ihm ganz spontan eingefallen. In Oklahoma heißt die Szene seitdem schlicht „The Kick“, 1999 wählten ihn die Sooners zum Kicker ihres Jahrhundertteams.

Sechs Jahre Dolphins, zwei Super Bowls

Im NFL Draft 1979 holen ihn die Miami Dolphins erst in der siebten Runde mit Pick 189. Er setzt sich trotzdem durch und bleibt sechs Spielzeiten. Unter Head Coach Don Shula erreicht Miami zweimal den Super Bowl. Im Super Bowl XVII nach der Saison 1982 verwandelt von Schamann ein Field Goal und beide Extrapunkte, die Dolphins verlieren aber 17:27 gegen Washington. Zwei Jahre später, im Super Bowl XIX, trifft er alle drei Field Goals und den einzigen Extrapunkt. Miami unterliegt den San Francisco 49ers trotzdem 16:38: San Francisco punktet fast nach Belieben, Miamis Offense schafft nur einen Touchdown.

Die Saison, die in diesem Super Bowl endet, gehört Dan Marino. Der junge Quarterback wirft 1984 so viele Touchdown-Pässe wie nie jemand vor ihm, und nach jedem Touchdown läuft von Schamann aufs Feld. 70 Extrapunkt-Versuche in einer Saison waren damals NFL-Rekord, 66 davon verwandelte er. Erst 2007 übertraf Stephen Gostkowski bei den New England Patriots diese Marke.

Das „Epic in Miami“: zwei Blocks, die wehtun

Ausgerechnet das berühmteste Spiel seiner Karriere gehört zu den bittersten. Am 2. Januar 1982 empfangen die Dolphins in der Divisional Round der Playoffs die San Diego Chargers im Orange Bowl. Nach dem ersten Viertel steht es 0:24, Miami wechselt den Quarterback, und Ersatzmann Don Strock wirft am Ende 403 Yards und vier Touchdowns. Von Schamann erzielt mit einem Field Goal aus 34 Yards die ersten Punkte der Aufholjagd.

Die Entscheidung hätte bei ihm liegen können. Beim Stand von 38:38 tritt er in den letzten Sekunden der regulären Spielzeit zu einem Field Goal aus 43 Yards an, Chargers-Tight-End Kellen Winslow fälscht den Ball mit den Fingern ab, er fällt zu kurz. In der Overtime blockt Defensive Lineman Leroy Jones auch seinen Versuch aus 35 Yards. Den entscheidenden Kick setzt dann der Kicker der Chargers: Rolf Benirschke trifft nach 13:52 Minuten Verlängerung aus 29 Yards zum 41:38. Kurios: Benirschke war vorher selbst aus 27 Yards vorbeigeschossen.

540 Punkte: von Schamann in Zahlen

KategorieWert
Spielzeiten6 (1979–1984)
Field Goals101 von 149 (67,8 Prozent)
Extrapunkte237 von 250
Längstes Field Goal53 Yards
Punkte gesamt540
Extrapunkt-Versuche 198470 (damals NFL-Rekord), 66 verwandelt
Quelle: NFL-Karrierestatistik

Eine Quote von knapp 68 Prozent bei Field Goals klingt heute schwach, wo Kicker regelmäßig über 85 Prozent treffen. In den frühen 80ern war sie kein Ausreißer nach unten. In der Offseason 1985 entlassen ihn die Dolphins, 1986 scheitert ein Comeback-Versuch im Trainingslager der Cleveland Browns.

Nach der Karriere: Fundraising statt Field Goals

Nach dem Football arbeitet von Schamann zunächst in der Finanz- und Versicherungsbranche. 2001 wird er Leiter für Entwicklung und Fundraising am J.D. McCarty Center in Norman, einer Klinik für Kinder mit Entwicklungsstörungen, also wieder in der Stadt seiner College-Jahre. Die Verbindung nach Deutschland reißt in der Familie nicht ab: Sein Sohn Duke von Schamann wurde Profi-Baseballer und spielte für die deutsche Nationalmannschaft.

Unsere Einordnung

Uwe von Schamann ist kein Hall-of-Famer wie Ernie Stautner, und seine NFL-Zahlen sind solide, nicht überragend. In diese Serie gehört er trotzdem: Er ist bis heute einer der wenigen in Deutschland geborenen Spieler, die in einem Super Bowl standen, und in Oklahoma wird sein Kick von 1977 noch heute erzählt. Am meisten verrät über ihn wohl das „Epic in Miami“. Zwei geblockte Kicks hätten einen Kicker brechen können, von Schamann war zwei Jahre später im Super Bowl fehlerfrei. Welche Deutschen nach ihm in der Liga gelandet sind, zeigt unsere Übersicht der deutschen NFL-Spieler. Alle Porträts der Serie, darunter auch „Mega Max“ von Garnier, sammeln wir auf der Seite Deutsche Football-Legenden.

Häufige Fragen zu Uwe von Schamann

Woher kommt Uwe von Schamann?

Er wurde am 23. April 1956 in Berlin geboren und zog mit 16 Jahren nach Fort Worth in Texas.

In welchen Super Bowls hat Uwe von Schamann gespielt?

Im Super Bowl XVII (17:27 gegen die Washington Redskins) und im Super Bowl XIX (16:38 gegen die San Francisco 49ers). Beide Spiele verloren die Dolphins.

Wer schoss das entscheidende Field Goal im „Epic in Miami“?

Rolf Benirschke von den San Diego Chargers, aus 29 Yards in der Overtime zum 41:38. Uwe von Schamann hatte vorher zwei Versuche geblockt bekommen, einen am Ende der regulären Spielzeit und einen in der Verlängerung.

Mehr Geschichten aus der NFL gibt es jeden Tag in unserem täglichen Footballerei-Newsletter.

Weitere

Blogbeiträge