Quarterback: Was macht der Spielmacher im American Football?
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Der Quarterback ist der Spielmacher der Offense: Er bekommt bei fast jedem Spielzug den Ball vom Center und entscheidet, ob er wirft, selbst läuft oder an den Running Back übergibt. Vorher gibt er im Huddle den Spielzug weiter und liest an der Line of Scrimmage die Defense. Kein Spieler hat den Ball öfter in der Hand, deshalb hängt der Erfolg eines NFL-Teams so stark an dieser einen Position.
Wie Downs und Raumgewinn funktionieren, steht in unseren American-Football-Regeln für Einsteiger.
Rolle und Aufgaben des Quarterbacks
Die Arbeit beginnt vor dem Snap. In der NFL hat der Quarterback einen Lautsprecher im Helm, erkennbar am grünen Punkt auf der Rückseite. Darüber sagt ihm der Offensive Coordinator oder Head Coach den Spielzug an, bis 15 Sekunden vor Ablauf der Play Clock die Verbindung gekappt wird. Der Quarterback gibt den Call im Huddle an die anderen zehn Spieler weiter, inklusive Formation, Laufwegen und Snap-Count.
An der Line schaut er sich die Defense an: Wie viele Spieler stehen in der Box, kommt ein Blitz, spielt die Secondary Man- oder Zone-Coverage? Passt der angesagte Spielzug nicht dazu, ändert er ihn oder stellt die Pass-Protection um. Nach dem Snap geht er seine Anspielstationen in einer festen Reihenfolge durch, die sogenannte Progression, und muss den Ball loswerden, bevor die Pass Rusher bei ihm sind.
Snap, Shotgun und Pistol: Wo der Quarterback steht
Beim klassischen Snap under Center steht der Quarterback direkt hinter dem Center und bekommt den Ball von unten in die Hände. Das ist die beste Ausgangslage für Laufspielzüge, Play Action und den Quarterback Sneak, bei dem er sich für ein, zwei Yards selbst hinter seine Offensive Line wirft.
In der Shotgun steht er einige Yards hinter dem Center, meist um die fünf, und bekommt den Ball zugeworfen. So hat er mehr Zeit, die Defense zu lesen. In Passing-Situationen ist die Shotgun heute Standard, ein großer Teil der NFL-Snaps kommt inzwischen aus dieser Aufstellung.
Die Pistol liegt dazwischen: Der Quarterback steht etwa drei bis vier Yards hinter dem Center, der Running Back direkt hinter ihm. So kann die Offense aus derselben Aufstellung laufen und werfen, ohne der Defense durch die Position des Running Backs die Richtung zu verraten. Erfunden hat sie Chris Ault, Head Coach der University of Nevada, Mitte der 2000er. Einer seiner Quarterbacks dort war Colin Kaepernick.

Audibles: Wenn der Quarterback an der Line umstellt
Ein Audible ist eine Änderung des Spielzugs direkt an der Line of Scrimmage, nachdem der Quarterback die Aufstellung der Defense gesehen hat. Häufig werden im Huddle zwei Spielzüge angesagt, und der Quarterback entscheidet an der Line, welcher gilt. Erkennt er einen Blitz, schickt er per Hot Route einen Receiver auf eine kürzere Route.
Weil die Defense mithört, wird auch geblufft. Peyton Manning machte mit seinem Ruf „Omaha“ ein Codewort berühmt, dessen Bedeutung von Spiel zu Spiel wechseln konnte.
Pass oder Lauf: Die Entscheidung nach dem Snap
Bei einem Laufspielzug übergibt der Quarterback den Ball per Handoff an den Running Back. Bei Play Action täuscht er diese Übergabe nur an, um die Linebacker nach vorne zu locken, und wirft dann über sie hinweg. Moderne Offenses setzen außerdem auf die RPO, die Run-Pass-Option: Der Quarterback beobachtet nach dem Snap einen bestimmten Verteidiger und entscheidet je nach dessen Reaktion, ob er übergibt oder wirft.
Bricht die Pocket zusammen, kann er scrambeln, also aus der Pocket laufen und entweder selbst Raum gewinnen oder im Laufen einen freien Receiver suchen. Wird er hinter der Line of Scrimmage mit dem Ball zu Boden gebracht, ist das ein Sack.
Dual-Threat oder Pocket Passer
Ein Pocket Passer bleibt hinter seiner Offensive Line und gewinnt Spiele mit dem Arm, mit Timing und mit dem Lesen der Defense. Tom Brady und Peyton Manning sind die Vorbilder dieses Typs.
Ein Dual-Threat Quarterback ist auch als Läufer gefährlich. Die Defense muss ihn bei jedem Spielzug mitdecken, dieser Spieler fehlt dann in der Coverage. Lamar Jackson hat mit diesem Stil zwei MVP-Titel geholt (2019 und 2023), Josh Allen wurde 2024 MVP. Patrick Mahomes passt in keine der beiden Schubladen: Er läuft selten geplant, verlängert aber Spielzüge mit den Füßen und wirft aus Positionen, die in keinem Lehrbuch stehen.

Die wichtigsten Quarterback-Statistiken
| Statistik | Was sie misst |
|---|---|
| Completion Percentage | Anteil der angekommenen Pässe an allen Passversuchen |
| Passing Yards | Raumgewinn durch gefangene Pässe |
| Touchdowns / Interceptions | Touchdown-Pässe und abgefangene Pässe |
| Yards per Attempt | Passing Yards geteilt durch Passversuche |
| Passer Rating | Formel der NFL aus vier Werten, Skala von 0 bis 158,3 |
| Total QBR | ESPN-Wert, der den gesamten Beitrag des Quarterbacks bewertet, Skala von 0 bis 100 |
Das Passer Rating nutzt die NFL seit 1973. Es setzt sich aus vier Werten pro Passversuch zusammen: Completion-Quote, Yards, Touchdowns und Interceptions. Weil jeder Wert gedeckelt ist, liegt das Maximum bei 158,3. Die Schwäche: Sacks, Läufe des Quarterbacks und die Spielsituation fließen nicht ein. Ein Pass über acht Yards bei 3rd & 10 zählt genauso viel wie einer bei 3rd & 5, obwohl nur der zweite das First Down bringt.
Genau da setzt das Total QBR von ESPN an, eingeführt 2011. Es berücksichtigt auch Läufe, Sacks, Fumbles und Strafen, bewertet jeden Spielzug danach, wie stark er die erwarteten Punkte und die Siegchancen verändert, und gewichtet Spielzüge in schon entschiedenen Spielen geringer. 50 steht für einen durchschnittlichen Quarterback, die Skala reicht von 0 bis 100. Nachrechnen lässt sich das QBR nicht, ESPN legt die Formel nicht vollständig offen.
Die Positionen rund um den Quarterback
Der Center ist der wichtigste Partner des Quarterbacks. Er bringt den Ball mit dem Snap ins Spiel und sagt in vielen Offenses die Blocking-Zuordnungen der Offensive Line an.
Der Backup Quarterback spielt oft wochenlang keinen einzigen Snap und muss trotzdem jederzeit bereit sein, denn Quarterbacks verletzen sich regelmäßig. Seit 2023 dürfen NFL-Teams zusätzlich einen dritten Quarterback als Notfall-Option bereithalten, der nicht zu den aktiven Spielern zählt und nur eingesetzt werden darf, wenn die ersten beiden ausfallen. Welche Ersatzleute in der Vergangenheit ganze Saisons gerettet haben, besprechen wir im NFL Boulevard über die besten Backup-Quarterbacks.
Berühmte Quarterbacks: Brady, Montana, Manning, Mahomes
Tom Brady hat sieben Super Bowls gewonnen, sechs mit den New England Patriots und einen mit den Tampa Bay Buccaneers. Fünfmal wurde er Super-Bowl-MVP. Kein Quarterback hat in der Regular Season mehr Passing Yards und Touchdown-Pässe gesammelt. Was Brady nach der Karriere aus seinem Namen gemacht hat, steht in unserem Artikel zu Tom Bradys Vermögen.
Joe Montana war der Quarterback der San Francisco 49ers in den 80ern. Er gewann alle vier Super Bowls, in denen er stand, und warf in diesen Spielen keine einzige Interception. Dreimal wurde er Super-Bowl-MVP. Sein Pass auf Dwight Clark im NFC Championship Game im Januar 1982 ist als „The Catch“ in die Geschichte eingegangen.
Peyton Manning hält mit fünf MVP-Titeln den Rekord der Liga. Er gewann den Super Bowl mit den Indianapolis Colts und mit den Denver Broncos und stellte 2013 mit 55 Touchdown-Pässen einen Saisonrekord auf.
Patrick Mahomes hat mit den Kansas City Chiefs drei Super Bowls gewonnen (LIV, LVII und LVIII) und wurde jedes Mal zum MVP des Spiels gewählt, dazu kommen zwei MVP-Titel für die Regular Season (2018 und 2022). Im Dezember 2025 verletzte er sich schwer am linken Knie und musste operiert werden. Im Juni 2026 bauten die Chiefs seinen Vertrag um: Laut AP läuft er jetzt bis 2033 und ist 504,75 Millionen Dollar wert, im Schnitt rund 63,1 Millionen pro Jahr. Damit ist Mahomes wieder der Quarterback mit dem höchsten Durchschnittsgehalt, vor Dak Prescott mit 60 Millionen.

Die Top-Quarterbacks der Saison 2026
Amtierender MVP ist Matthew Stafford von den Los Angeles Rams, ausgezeichnet im Februar 2026 für die Saison 2025. In der laufenden Saison nennen US-Medien wie FOX Sports nach Week 6 vor allem Josh Allen (Buffalo Bills), Brock Purdy (San Francisco 49ers) und Mahomes als MVP-Kandidaten. Purdys 49ers standen zu diesem Zeitpunkt bei 6-0. Wie sich die Quarterbacks Woche für Woche schlagen, ordnen wir im täglichen Footballerei-Newsletter ein. Wer im Fantasy Football gerade seinen QB-Slot umbaut, wird im Locker Room fündig, unserem Fantasy-Podcast auf der Podcast-Seite.


Deutsche Quarterbacks in der NFL
Eine deutsche Quarterback-Geschichte in der NFL lässt sich kurz erzählen. Ende September 2024 warf Amon-Ra St. Brown von den Detroit Lions beim 42:29 gegen die Seattle Seahawks einen Touchdown-Pass, per Trickspielzug zurück zu seinem eigenen Quarterback Jared Goff. Laut Sport1 war St. Brown damit der erste Deutsche, der in der NFL einen Touchdown-Pass geworfen hat. Er ist Wide Receiver. Bis zu diesem Abend hatte also kein deutscher Quarterback in der Liga einen Touchdown geworfen.
FAQ: Häufige Fragen zum Quarterback
Warum verdient der Quarterback am meisten?
Weil er bei jedem Spielzug der Offense den Ball hat und keine andere Position Siege so direkt beeinflusst. Gute Quarterbacks sind außerdem knapp, wer einen hat, zahlt fast jeden Preis. Die Grenze setzt der Salary Cap: Jeder Dollar für den Quarterback fehlt an anderer Stelle im Kader. Wie die Gehaltsobergrenze funktioniert, erklären wir in NFL einfach erklärt.
Was ist ein Franchise Quarterback?
So nennt man einen Quarterback, um den ein Team seine Zukunft für viele Jahre aufbaut, meist abgesichert durch einen langen, hoch dotierten Vertrag. Mit dem Franchise Tag hat der Begriff nichts zu tun: Der Tag ist ein Vertragsinstrument, mit dem ein Team einen Spieler für ein Jahr an sich bindet, egal auf welcher Position.
Wer ist der beste Quarterback aller Zeiten?
Nach Titeln und Langlebigkeit ist es Tom Brady: sieben Super Bowls, 23 Saisons, die meisten Passing Yards und Touchdowns. Joe Montana hat die makellose Bilanz im Endspiel, Peyton Manning die meisten MVP-Titel. Patrick Mahomes ist der einzige aktive Quarterback, der in diese Diskussion gehört, mit drei Titeln hat er aber noch einen weiten Weg bis Brady.
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