Roger Goodell: Werdegang, Gehalt und Bilanz des NFL-Commissioners
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Mehr InformationenRoger Goodell führt die NFL seit 2006, er verdient mehr als 60 Millionen Dollar im Jahr, und bei jedem Draft buhen ihn Zehntausende Fans aus. Im September 2026 haben die Owner seinen Vertrag trotzdem noch einmal verlängert, bis März 2031. Dann ist Goodell 72 Jahre alt und fast ein Vierteljahrhundert im Amt. Wer ist der Mann, der als Praktikant in der Ligazentrale angefangen hat?
Zum Podcast: NFL Boulevard #18
Im „NFL Boulevard“ #18 statten Carsten und Kucze der NFL-Machtzentrale in New York einen Besuch ab. Es geht um Goodells Herkunft, seinen Weg vom Praktikanten zum Commissioner, um die Schließung der NFL Europe, den Hymnen-Protest, häusliche Gewalt, CTE, die „No Fun League“ und um verdammt viel Geld.
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Weitere InformationenDie Folge gibt es auch als Podcast auf Soundcloud.
Roger Goodell im Steckbrief
- Name: Roger Stokoe Goodell
- Geboren: 19. Februar 1959 in Jamestown, New York
- Studium: Wirtschaftswissenschaften am Washington & Jefferson College (Abschluss 1981)
- Familie: Sohn des früheren US-Senators Charles Goodell, seit 1997 verheiratet mit der Ex-Fox-News-Moderatorin Jane Skinner
- In der NFL seit: 1982 (Praktikant in der Ligazentrale)
- Commissioner seit: 1. September 2006, Nachfolger von Paul Tagliabue
- Vertrag: bis 31. März 2031
- Gehalt: zuletzt bekannt 63,9 Millionen US-Dollar pro Jahr (2019/20 und 2020/21)
Wer ist Roger Goodell?
Goodell kommt aus einer Politikerfamilie. Sein Vater Charles Goodell saß Ende der 1960er-Jahre für New York im US-Senat. Der Sohn zog es in den Football. 1982, ein Jahr nach dem Wirtschaftsstudium, bekam er einen Platz als Praktikant in der Ligazentrale, damals noch unter Commissioner Pete Rozelle.
Danach ging es Stufe für Stufe nach oben: 1983 ein Praktikum bei den New York Jets, 1984 die PR-Abteilung der Liga, 1987 Assistent von AFC-Präsident Lamar Hunt. Unter Paul Tagliabue wurde Goodell zum wichtigsten Mann hinter dem Chef. Im Dezember 2001 machte Tagliabue ihn zum Chief Operating Officer, zuständig für Football Operations, Schiedsrichter und das Geschäft der Liga.
Als Tagliabue 2006 aufhörte, war Goodell der logische Nachfolger. Ganz so glatt lief die Wahl am 8. August 2006 aber nicht: Die Owner brauchten fünf Wahlgänge, bis Goodell sich mit 23 zu 8 Stimmen gegen Liga-Anwalt Gregg Levy durchsetzte. Am 1. September 2006 trat er das Amt an.
Wie viel verdient Roger Goodell?
Genau weiß das nur ein kleiner Kreis. Früher musste die Liga Goodells Gehalt offenlegen, weil die Ligazentrale als steuerbefreiter Verband organisiert war. Das ist vorbei, seitdem dringen Zahlen nur noch über Medienberichte nach außen. Die bekannteste stammt von der New York Times: Bei einem Owner-Meeting 2021 zeigte eine Folie, dass Goodell in den Geschäftsjahren 2019/20 und 2020/21 jeweils 63,9 Millionen US-Dollar verdient hat, zusammen also fast 128 Millionen.
Den Großteil davon macht nicht das Grundgehalt aus. Schon sein Vertrag von 2017 sah laut CBS Sports nur rund 20 Millionen Dollar fix vor, der Rest hing an Zielen. Beim neuen Vertrag ist das noch extremer: Robert Kraft, Patriots-Owner und Chef des Vergütungsausschusses, schrieb den anderen Ownern, mehr als 95 Prozent der Gesamtvergütung seien an Goodells Leistung und die Entwicklung der Liga gekoppelt.
Wie lange ist Roger Goodell noch Commissioner?
Mindestens bis zum 31. März 2031. Am 6. September 2026 hat der Vergütungsausschuss die Owner über eine Verlängerung um vier Jahre informiert, der alte Vertrag wäre im März 2027 ausgelaufen. Das neue Enddatum ist kein Zufall: Im selben Monat endet auch der aktuelle Tarifvertrag mit der Spielergewerkschaft.
Die Owner wollen Goodell für die nächsten großen Verhandlungen behalten. Die TV-Verträge kann die Liga vorzeitig kündigen und neu verhandeln, und im nächsten Tarifvertrag dürfte es um eine Saison mit 18 Spielen gehen. Die Nachfolge-Debatte ist damit erst einmal vertagt. Lange galt Medienchef Brian Rolapp als Kronprinz, er ist aber im Juni 2025 als CEO zur PGA Tour gewechselt. Als interner Kandidat wird unter anderem Peter O’Reilly genannt.
Was hat Goodell für die NFL erreicht?
Aus Sicht der Owner vor allem eines: Geld. Im März 2021 hat die Liga TV- und Streamingverträge mit CBS, Fox, NBC, ESPN/ABC und Amazon abgeschlossen, die über elf Jahre mehr als 110 Milliarden US-Dollar wert sind. Der Umsatz der Liga liegt inzwischen bei über 23 Milliarden Dollar im Jahr. Davon profitieren vor allem die Teambesitzer, deren Franchises heute ein Vielfaches dessen wert sind, was sie 2006 gekostet haben. Wer die Besitzer sind, steht in unserem Überblick über die reichsten Team-Besitzer der NFL.
Dazu kommt die Internationalisierung. Unter Goodell begann 2007 die International Series mit Spielen in London. 2026 spielt die NFL neun Spiele außerhalb der USA, in London, München, Paris, Madrid, Mexiko-Stadt, Rio de Janeiro und zum ersten Mal in Melbourne. Alle Termine stehen in unserem Artikel zu den wichtigsten Daten der NFL-Saison 2026.
Warum wird Roger Goodell ausgebuht?
Die Buhrufe beim Draft gehören seit 2011 zum Ritual, Goodell hat sich längst damit arrangiert. Beim virtuellen Draft 2020 forderte er die Fans sogar selbst dazu auf. Für viele Fans ist Goodell das Gesicht einer Liga, die Strafen nach Gefühl verteilt und bei echten Skandalen zu spät reagiert.
Die Liste ist lang. Nach Spygate 2007 ließ die Liga die Videobänder der Patriots auf Goodells Anweisung vernichten, was bis heute Misstrauen auslöst. Beim Bountygate der Saints sperrte er Head Coach Sean Payton 2012 für eine komplette Saison. In Deflategate verhandelte Goodell die Berufung von Tom Brady persönlich und bestätigte die Sperre über vier Spiele. Ein Bundesrichter hob sie 2015 auf, ein Berufungsgericht setzte sie 2016 wieder in Kraft.
Am meisten Schaden hat der Fall Ray Rice angerichtet. 2014 sperrte die Liga den Running Back nach dem Angriff auf seine damalige Verlobte zunächst nur für zwei Spiele. Erst als ein Video der Tat auftauchte, folgte eine Sperre auf unbestimmte Zeit. Goodell musste öffentlich einräumen, dass er es falsch gemacht hatte.
Beim Kniefall von Colin Kaepernick lavierte die Liga jahrelang. 2018 beschlossen die Owner eine Regel, nach der Spieler zur Hymne stehen oder in der Kabine bleiben sollten. Nach dem Tod von George Floyd sagte Goodell im Juni 2020, die NFL habe falsch gelegen, als sie nicht auf ihre Spieler gehört habe. Im August 2020 ergänzte er, er wünschte, man hätte früher auf Kaepernick gehört. Der stand da schon seit mehr als drei Jahren ohne Team da.
Auch beim Thema Gehirnerschütterungen musste die Liga nachgeben. Der Vergleich mit ehemaligen Spielern über 765 Millionen Dollar von 2013 fiel bei Gericht zunächst durch, erst danach wurde die Obergrenze für Zahlungen gestrichen. Dazu kommt Washington: 2021 bestrafte die Liga das Team nach einer Untersuchung zu sexueller Belästigung und einer „Kultur der Angst“ mit zehn Millionen Dollar, einen schriftlichen Bericht gab es nicht. Erst 2023 folgte eine Strafe von 60 Millionen Dollar gegen Owner Dan Snyder, am selben Tag genehmigten die Owner den Verkauf des Teams an Josh Harris. Im Februar 2022 verklagte Ex-Dolphins-Coach Brian Flores die Liga sowie die Giants, Dolphins und Broncos wegen rassistischer Diskriminierung. Sein Vorstellungsgespräch bei den Giants nannte er einen Alibi-Termin, der nur stattgefunden habe, um die Rooney Rule zu erfüllen.
Welche Rolle spielt Goodell für die NFL-Spiele in Deutschland?
Eine doppelte. Goodell hat nach der Saison 2007 die NFL Europe eingestellt und damit Teams wie Frankfurt Galaxy, Rhein Fire, Hamburg Sea Devils und Berlin Thunder das Aus beschert. 15 Jahre später kam die NFL unter ihm mit echten Regular-Season-Spielen zurück: 2022 Buccaneers gegen Seahawks in München (21:16), 2023 zwei Spiele in Frankfurt, 2024 wieder München. 2025 war Berlin dran, das Olympiastadion war für Colts gegen Falcons mit 72.000 Fans ausverkauft. Am 15. November 2026 spielen die Patriots bei den Detroit Lions in München, Berlin ist für 2027 und 2029 bereits fest eingeplant.
Wie wichtig der Markt geworden ist, zeigt eine Zahl: Elf der 32 Teams haben sich Marketingrechte für Deutschland gesichert, so viele wie in keinem anderen Land. Und es dürfte mehr werden: Für den nächsten Tarifvertrag ist im Gespräch, die Zahl der internationalen Spiele auf bis zu 16 pro Saison zu erhöhen.
Fazit: Unsere Meinung zu Roger Goodell
Unsere Einschätzung: Goodell ist genau der Commissioner, den die Owner wollen, und das ist sein größtes Problem. Er arbeitet für 32 Teambesitzer, nicht für die Fans und nicht für die Spieler. Gemessen an Umsatz, TV-Geld und Spielen in Europa ist seine Bilanz kaum zu schlagen. Bei Disziplin und Krisen hat er dagegen zu oft erst gehandelt, wenn ein Video oder eine Klage ihn dazu gezwungen hat. Die Verlängerung bis 2031 ist aus Owner-Sicht logisch. Für die Liga wäre es trotzdem klug, die Jahre bis dahin zu nutzen, um einen Nachfolger aufzubauen, der nicht erst nach dem nächsten Skandal zuhört.
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