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20. Oktober 2026

O.J. Simpson #1: Der Mord an Nicole Brown Simpson und Ron Goldman

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Inhaltsverzeichnis

Am Abend des 17. Juni 1994 schauen rund 95 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner einem weißen Ford Bronco zu, der mit gemächlichem Tempo über die Highways von Los Angeles rollt. Dahinter Dutzende Polizeiwagen, darüber Nachrichtenhubschrauber, auf den Brücken Menschen mit Schildern. Auf dem Rücksitz sitzt der berühmteste Running Back seiner Zeit. Fünf Tage vorher wurden seine Ex-Frau und ein junger Kellner vor ihrem Haus getötet. Die 32. Folge von Hall of Crime erzählt, wie O.J. Simpson zu diesem Moment kam – und wer die beiden Menschen waren, die in dieser Geschichte so oft vergessen werden.

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Teil 2 über den Prozess, das Urteil und alles danach: O.J. Simpson #2: Der Prozess


Wer war O.J. Simpson?

  • Geboren: 9. Juli 1947, San Francisco
  • Position: Running Back
  • College: USC, Heisman Trophy 1968
  • NFL: Buffalo Bills (1969–1977), San Francisco 49ers (1978–1979)
  • Rekord: 1973 als erster Spieler über 2.000 Rushing Yards in einer Saison
  • Hall of Fame: 1985
  • Gestorben: 10. April 2024, Las Vegas

Orenthal James Simpson wächst in den Sozialbauten von Potrero Hill in San Francisco auf. Als Kind hat er Rachitis, eine Knochenerkrankung, und muss Beinschienen tragen. Als Jugendlicher läuft er mit einer Straßengang namens Persian Warriors herum, an seiner Seite sein bester Freund Al Cowlings. Den Namen sollte man sich merken.

Junger O.J. Simpson im Trikot mit der Nummer 32 hält einen Football
Der junge O.J. Simpson mit der Nummer 32, die er später auch in Buffalo trug. Foto: IMAGO

Football wird sein Weg hinaus. An der USC gewinnt er 1968 die Heisman Trophy, die Bills holen ihn 1969 mit dem ersten Pick. 1973 läuft er in nur 14 Spielen für 2.003 Yards, als erster Spieler der NFL-Geschichte über 2.000. Nach der Karriere wird „The Juice“ zur Werbefigur für Hertz, zum TV-Experten und zum Schauspieler in den „Nackte Kanone“-Filmen. Kaum ein Sportler ist in den 80ern so beliebt.

O.J. Simpson als Running Back der Buffalo Bills mit der Nummer 32
O.J. Simpson im Trikot der Buffalo Bills. Foto: IMAGO / Dreamstime

Wer waren Nicole Brown Simpson und Ron Goldman?

Nicole Brown Simpson wurde 1959 in Frankfurt am Main geboren, als Tochter einer deutschen Mutter und eines amerikanischen Vaters, und wuchs in Kalifornien auf. Mit 18 lernt sie Simpson kennen, 1985 heiraten die beiden, sie bekommen zwei Kinder. 1992 lässt sie sich scheiden und versucht, ein eigenes Leben aufzubauen. Sie wird 35 Jahre alt.

Ronald Goldman ist 25, arbeitet als Kellner im Restaurant Mezzaluna in Brentwood und träumt von einem eigenen Lokal. An jenem Abend ist er nur deshalb bei Nicole, weil ihre Mutter im Restaurant ihre Brille vergessen hat und er anbietet, sie vorbeizubringen. Eine Gefälligkeit, mehr nicht.

Wie gewalttätig war O.J. Simpson in der Ehe?

Lächelndes Porträt von O.J. Simpson in Sakko und kariertem Hemd
„The Juice“: Nach der Karriere war Simpson einer der beliebtesten Sportler der USA. Foto: IMAGO

Hinter der Fassade des Strahlemanns lag eine Ehe, in der die Polizei immer wieder gerufen wurde. In der Neujahrsnacht 1989 rücken Beamte zum Haus der Simpsons aus und finden Nicole verletzt vor. Simpson plädiert auf „no contest“: Er bestreitet die Vorwürfe nicht, ohne sich ausdrücklich schuldig zu bekennen, und kommt mit Bewährung und Sozialstunden davon. Im Oktober 1993, nach der Scheidung, ruft Nicole erneut den Notruf, weil Simpson in ihr Haus eingedrungen ist.

Vor dem Prozess legte die Staatsanwaltschaft dem Gericht Aussagen von Freunden und Angehörigen vor, die Dutzende mutmaßliche Vorfälle beschrieben. Nicole selbst hatte Fotos ihrer Verletzungen in einem Bankschließfach hinterlegt und ihrer Schwester gesagt, wo sie liegen – für den Fall, dass ihr etwas zustößt.


Was geschah in der Nacht zum 13. Juni 1994?

Was folgt, ist die Rekonstruktion der Ermittler. Simpson wurde im Strafprozess freigesprochen.

Am Abend des 12. Juni 1994 besucht Nicole mit ihrer Familie eine Tanzaufführung ihrer Tochter, danach essen alle im Mezzaluna. Gegen Mitternacht führt Nicoles Akita, der mit blutigen Pfoten durch die Nachbarschaft irrt, Anwohner zu ihrem Haus am South Bundy Drive in Brentwood. Vor dem Eingang liegen Nicole Brown Simpson und Ron Goldman, beide mit einem Messer getötet. Die beiden Kinder schlafen im Haus und bleiben unverletzt.

Hatte O.J. Simpson ein Alibi?

Nicht für die entscheidende Zeit. Ein Limousinenfahrer, der Simpson zum Flughafen bringen soll, wartet ab 22:25 Uhr vor seinem Anwesen in Rockingham und bekommt zunächst niemanden zu sehen. Kurz nach 23 Uhr sieht er eine Person ins Haus gehen, wenig später kommt Simpson heraus. Um 23:45 Uhr fliegt er nach Chicago zu einem Termin für Hertz.

Als Polizisten am frühen Morgen zu seinem Anwesen fahren, um ihn über den Tod seiner Ex-Frau zu informieren, finden sie Blutspuren an seinem Bronco und auf dem Grundstück einen blutigen Handschuh. Das Gegenstück liegt am Tatort. Simpson kehrt aus Chicago zurück und wird stundenlang vernommen.


Die Bronco-Jagd: der 17. Juni 1994

Fünf Tage nach der Tat vereinbaren Simpsons Anwälte, dass er sich um 11 Uhr stellt. Er kommt nicht. Am Nachmittag erklärt die Polizei ihn zum Flüchtigen. Sein Freund Robert Kardashian – der Vater der später berühmten Kardashian-Geschwister – liest vor laufenden Kameras einen Brief Simpsons vor, in dem er seine Unschuld beteuert. Viele verstehen ihn als Abschiedsbrief.

Der weiße Ford Bronco fährt auf dem Freeway, dahinter eine Kolonne von Polizeiwagen
17. Juni 1994: Der weiße Bronco mit Simpson auf der Rückbank, dahinter die Polizei. Foto: IMAGO

Am Abend wird der weiße Bronco auf dem Freeway entdeckt. Am Steuer sitzt Al Cowlings, der Freund aus den Tagen der Persian Warriors. Was folgt, ist keine Verfolgungsjagd, sondern eine Prozession: rund 100 Kilometer bei Schrittgeschwindigkeit, begleitet von Polizei und Hubschraubern. Die NBA Finals laufen bei NBC nur noch im kleinen Fenster, auf Brücken jubeln Menschen „Go, Juice, Go“. Am Ende rollt der Bronco zurück nach Rockingham, wo sich Simpson nach langen Verhandlungen ergibt.


Fazit: Ein Held, den alle sehen wollten

Die Bilder vom 17. Juni zeigen vor allem eines: Ein Land, das einen Helden sehen wollte, selbst als zwei Menschen tot waren. Die Gewalt gegen Nicole Brown Simpson war jahrelang bekannt, die Polizei war mehrfach vor Ort, ein Gericht hatte Simpson bereits verurteilt. Trotzdem jubelten Menschen am Straßenrand. Wie ein Prozess gegen diesen Mann ablaufen würde, ahnte in dieser Nacht niemand. Davon erzählt Teil 2.

Du erlebst Gewalt in deiner Beziehung oder kennst jemanden, dem es so geht? Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist rund um die Uhr erreichbar unter 116 016, kostenlos, anonym und in vielen Sprachen.

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