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20. Oktober 2026

O.J. Simpson #2: Der Prozess, das Urteil und das Leben danach

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Inhaltsverzeichnis

Neun Monate Prozess, rund 150 Zeugen, Millionen Zuschauer jeden Tag. Und dann braucht die Jury keine vier Stunden. Am 3. Oktober 1995 um 10 Uhr Ortszeit in Los Angeles hält ein ganzes Land den Atem an, als das Urteil gegen O.J. Simpson verlesen wird. Die 33. Folge von Hall of Crime erzählt, wie es zu diesem Urteil kam, warum zwei Jahre später ein anderes Gericht zum gegenteiligen Ergebnis kam – und wie Simpsons Geschichte am Ende doch noch vor Gericht endete.

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Teil 1 über Simpsons Aufstieg, die Tatnacht und die Bronco-Jagd: O.J. Simpson #1: Der Mord


Wer stand sich im Gerichtssaal gegenüber?

  • Richter: Lance Ito
  • Anklage: Marcia Clark und Christopher Darden
  • Verteidigung, das „Dream Team“: Johnnie Cochran, Robert Shapiro, F. Lee Bailey, Barry Scheck, Alan Dershowitz und Robert Kardashian
  • Dauer: Januar bis Oktober 1995, live im Fernsehen übertragen
Polizeifoto des LAPD von O.J. Simpson vom 17. Juni 1994
Das Polizeifoto des LAPD vom 17. Juni 1994, aufgenommen nach dem Ende der Bronco-Jagd. Foto: IMAGO

Die Anklage setzt auf Blutspuren, DNA und die jahrelange Gewalt gegen Nicole Brown Simpson. Die Verteidigung setzt auf Zweifel: an der Arbeit der Polizei, an der Beweiskette, an der Glaubwürdigkeit der Ermittler. Was das mit den Kardashians zu tun hat? Robert Kardashian, der Vater von Kim, Kourtney und Khloé, gehörte als enger Freund Simpsons zum Verteidigerteam.

Der Handschuh: „If it doesn’t fit, you must acquit“

Im Juni 1995 lässt Staatsanwalt Christopher Darden Simpson im Gerichtssaal die Handschuhe anprobieren, die am Tatort und auf seinem Grundstück gefunden wurden. Simpson trägt darunter Latexhandschuhe, zieht und zerrt sichtbar und zeigt den Geschworenen: Sie passen nicht. Johnnie Cochran macht daraus im Schlussplädoyer den berühmtesten Satz des Prozesses: Wenn er nicht passt, müsst ihr freisprechen.

Ein Experte sagte später aus, Leder schrumpfe, wenn es blutgetränkt und eingefroren war, und Simpson habe Handschuhe dieses Modells bei TV-Übertragungen getragen. Geholfen hat das der Anklage nicht mehr. Die Szene ist bis heute eines der bekanntesten Bilder des Falls – auch die Serie „The People v. O.J. Simpson“ hat sie nachgestellt.

Szene aus der Serie The People v. O.J. Simpson: Cuba Gooding Jr. als O.J. Simpson zeigt im Gerichtssaal die Handschuhe
Szene aus der Serie „American Crime Story: The People v. O.J. Simpson“ (FX, 2016): Cuba Gooding Jr. als O.J. Simpson, links Sterling K. Brown als Staatsanwalt Christopher Darden. Foto: IMAGO / Everett Collection

Die Fuhrman-Bänder

Der zweite Wendepunkt heißt Mark Fuhrman. Der Detective hatte den blutigen Handschuh auf Simpsons Grundstück gefunden. Im Zeugenstand schwört er, in den vergangenen zehn Jahren kein rassistisches Schimpfwort für Schwarze benutzt zu haben. Dann tauchen Tonbänder aus Interviews mit einer Drehbuchautorin auf, auf denen er genau das immer wieder tut und von Polizeigewalt erzählt.

Im September 1995 verweigert Fuhrman auf Fragen der Verteidigung die Aussage, auch auf die Frage, ob er in diesem Fall Beweise platziert habe. Der wichtigste Ermittler der Anklage steht damit als jemand da, der unter Eid gelogen hat. Drei Jahre nach dem Freispruch für die Polizisten im Fall Rodney King und den Unruhen in Los Angeles trifft das einen empfindlichen Nerv.


War O.J. Simpson schuldig oder unschuldig?

Im Strafprozess: nicht schuldig. Am 3. Oktober 1995 spricht die Jury Simpson nach weniger als vier Stunden Beratung frei. Die Reaktionen spalten die USA, vor allem entlang der Hautfarbe: Viele weiße Amerikaner sind fassungslos, viele schwarze Amerikaner sehen im Urteil auch eine Antwort auf eine Polizei, der sie nicht trauen. Geschworene begründeten ihr Votum später mit Lücken in der Beweisführung – Tatwaffe und blutige Kleidung wurden nie gefunden.

Im Zivilprozess: haftbar. Die Familien von Nicole Brown Simpson und Ron Goldman verklagen Simpson auf Schadenersatz. Andere Jury, keine Kameras, und diesmal muss Simpson selbst aussagen. Im Februar 1997 erklärt die Jury ihn für die beiden Tode verantwortlich und spricht den Familien 33,5 Millionen US-Dollar zu.

Wie passen Freispruch und Haftung zusammen?

Es sind zwei unterschiedliche Maßstäbe. Für eine strafrechtliche Verurteilung muss die Schuld „jenseits vernünftiger Zweifel“ feststehen. Im Zivilprozess reicht es, wenn die Beweise mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für eine Verantwortung sprechen, vereinfacht gesagt: mehr als 50 Prozent. Ein Freispruch heißt also nicht „unschuldig“, sondern „nicht zweifelsfrei bewiesen“. Der Mord an Nicole Brown Simpson und Ron Goldman gilt bis heute als nicht aufgeklärt, für die Taten wurde nie jemand verurteilt.


Was ist mit O.J. Simpson danach passiert?

Am 13. September 2007 dringt Simpson mit einer Gruppe von Männern, mindestens zwei davon bewaffnet, in ein Hotelzimmer in Las Vegas ein, um Sport-Erinnerungsstücke zurückzuholen, die er für seine hielt. Am 3. Oktober 2008, auf den Tag genau 13 Jahre nach dem Freispruch, wird er unter anderem wegen bewaffneten Raubs und Entführung schuldig gesprochen. Er erhält bis zu 33 Jahre Haft und kommt 2017 auf Bewährung frei.

O.J. Simpson im Fernsehstudio im Live-Interview mit Moderatorin Catherine Crier
Auch nach den Prozessen blieb Simpson ein Fernsehthema, hier im Live-Interview mit Catherine Crier. Foto: IMAGO

Am 10. April 2024 stirbt O.J. Simpson mit 76 Jahren in Las Vegas an Krebs. Den größten Teil der 33,5 Millionen hat er den Familien nie gezahlt. Fred Goldman, Rons Vater, kämpft seit fast 30 Jahren um diese Summe.


Fazit: Zwei Urteile, keine Antwort

O.J. Simpson mit der Nummer 32 der Buffalo Bills trägt den Ball
Auf dem Feld einer der Größten seiner Zeit: O.J. Simpson als Running Back der Buffalo Bills. Foto: IMAGO

Der „Prozess des Jahrhunderts“ handelte am Ende von viel mehr als von O.J. Simpson: von Rassismus in der Polizei, von der Macht der besten Anwälte, die man für Geld bekommt, und von einem Publikum, das live dabei sein wollte. Zwei Menschen gerieten dabei fast in Vergessenheit. Nicole Brown Simpson und Ron Goldman sind seit über 30 Jahren tot, und ein Strafgericht hat für ihren Tod nie jemanden verurteilt.

Wie seht ihr das Urteil von 1995 heute?

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