Die NFL sucht den Superstar. Morgen geht der alljährliche „Viehmarkt“ des amerikanischen Profi-Footballs so richtig los: Die Combine in Indianapolis. Bis zum 6. März versuchen dann über 300 Nachwuchstalente ihre Schokoladenseite zu zeigen, um sich für einen Vertrag bei einem der 32 Teams zu empfehlen und beim Draft (27. – 29. April) ausgewählt zu werden. Diesen Traum hat auch einer, der deutlich älter ist als die anderen. Einer, der ganz tief in der Scheiße steckte. Einer, dessen Rückkehr auf den Football-Rasen wie ein Wunder wirkt: Alton Voss, ein ehemaliger Junkie.

Der heute 28-Jährige war einst ein gefeierter Quarterback an der Highschool, dem eine große Zukunft vorhergesagt wurde. Dem die Mädchenherzen zuflogen. Dem die Fans applaudierten. Den die NFL-Scouts auf dem Zettel hatten. Der viele College-Angebote hatte und sich schließlich für die University of South Florida entschied.


Dann kam er vom rechten Weg ab. Nahm viele, viele Drogen – und starb fast an einer Überdosis.

Aber Voss hat gerade noch rechtzeitig die Kurve bekommen. Er spielt wieder Football. Besser denn je. Nicht mehr als Quarterback. Jetzt als Defensive End. Und zwar so gut, dass auch er beim Draft zur Wahl steht. Statt in Indianapolis präsentiert er sich am 20. März bei einem „Pro Day“ im Kelly Family Sports Center (das heißt wirklich so!) in Michigan.

Aus der Drogen-Hölle in die NFL?

 

 

Rückblick: Als es Voss als 19-Jähriger nicht auf Anhieb in die Stammformation der University of South Florida schafft, beginnt er Alkohol zu trinken. Viel Alkohol. Täglich. Das war 2007.

Von nun an lässt er es nur noch außerhalb des Football-Feldes richtig krachen. Er geht viel feiern und nimmt nun auch regelmäßig Oxycodon. Ein Opiat. Doppelt so stark wie Morphium! Also ein Schmerzmittel, das schnell abhängig machen und Rausch-Zustände auslösen kann.

Kurz darauf schmeißt er beim College-Team der South Florida Uni hin, täuscht dafür eine Rückenverletzung vor. Voss zieht zurück zu seiner Familie nach New Port Richey/Florida – und versinkt immer tiefer im Drogensumpf. Weil er bereits starke Entzugserscheinungen hat, nimmt er zwischenzeitig sogar Methadon! Ein Ersatzstoff für Heroin! Auf einem „Walmart“-Parkplatz spritzt er sich eines Tages Crack in den Arm.

Das geht immer so weiter. Jahrelang. Bis 2011. Da schluckt Voss, der mittlerweile auch längst selbst dealt, zu viele Pillen auf einmal – und krepiert fast an einer Überdosis. Der erste Hallo-Wach-Effekt. Alton steigt auf weichere Drogen um, raucht ab dann „nur“ noch Marihuana…

Weil er aber wenige Monate später während einer Wahnvorstellung ein Auto klaut, klicken die Handschellen. U-Haft! Voss entgeht nur knapp einer Freiheitsstrafe. Dafür verbringt er die folgenden zwei Jahre in einer Drogenentzugsklinik in Buenos Aires in Argentinien – und wird endlich wieder clean.

„Ich wollte meine Reise beenden“

„Als ich in Argentinien war, war Football das letzte, woran ich dachte“, erinnert sich Voss im „MMBQ Podcast“. „Aber als ich anfing, über meine Ziele nachzudenken, wurde Football wieder wichtig für mich. Ich wollte meine Reise beenden.“

Und das Schicksal meint es gut mit ihm. 2013 – da ist er bereits fast 25 – lernt er Matt Mitchell, den Chefcoach der Grand Valley State University, kennen. Der gibt ihm eine Chance, holt ihn in sein Team. Als Tight End!

Eine Position, die Voss, der fast fünf Jahre kein Football gespielt hat, nicht beherrscht. Sein großer Eifer beeindruckt die Coaches aber. Der einstige Quarterback wird zum Defensive End umgeschult. Voss beweist schnell Führungsqualitäten innerhalb des Teams, liefert Top-Leistungen für die GVSU ab und besteht jeden Drogentest der NCAA.

Weil viele NFL-Scouts Voss’ Teamkollegen Matt Judon beobachteten (der wurde schließlich 2016 von Baltimore Ravens gedraftet), wurden sie in Videos auch auf Voss aufmerksam. Seine Rückkehr ins Rampenlicht. Dieses Jahr hat er sich für den Draft angemeldet. Mittlerweile ist er vier Jahre clean.

Plan B hat Voss schon in der Tasche

„Einige Teams haben mir bereits gesagt, es täte ihnen leid, aber sie könnten keinen 28 Jahre alten ehemaligen Drogenabhängigen verpflichten“, erzählt Mitchell. „Andere Teams sind hingegen von Alton fasziniert.“

Ob er im April tatsächlich von einem NFL-Team gedraftet wird, steht in den Sternen. Falls nicht, wird er im Idealfall ein „Priority Free Agent“, der sich einen Platz in einem der 32 Trainingskader ergattern kann, um dann wahrscheinlich in den Specials Team eingesetzt zu werden.

Falls das nicht klappt, will Voss nach seinem Uni-Abschluss zukünftig verstärkt als Motivationsredner arbeiten. Einiges zu erzählen hat er ja…

Video-Quelle: Youtube
Foto-Quelle: Pinterest, Twitter

 

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Kucze
Geschrieben von Kucze
15 Jahre Sport-Redakteur (BZ, BILD, BamS) * jetzt selbstständig * NFL-Fan seit 2001 * Buch-Autor "NFL Boulevard" * Groundhopper