Wer in der Wahlnacht mitspielt: Die NFL und die Midterms 2026
Als in der Nacht zu Mittwoch die Hochrechnungen kamen, war das Ergebnis schnell klar: Die Demokraten holen laut Projektionen von CBS, NBC und NPR die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat. Für Donald Trump heißt das: zwei Jahre mit einem Kongress, der gegen ihn arbeitet. Und mittendrin: die NFL.
Wahlnacht in Amerika – und die NFL saß mit am Tisch
Auf dem Stimmzettel standen auch bekannte Gesichter aus der NFL. Jay Feely, 14 Jahre Kicker in der Liga, trat für die Republikaner in Arizonas 1. Bezirk an – mit Trumps Unterstützung und mit Spenden von Roger Goodell und gleich fünf Ownern. Am Morgen lag er nach rund drei Vierteln der ausgezählten Stimmen mit 43 zu 55 Prozent hinter dem Demokraten Amish Shah, entschieden ist das Rennen noch nicht.
Kurios: Die beiden kennen sich aus dem Locker Room. Bei den New York Jets war Shah Arzt an der Sideline, als Feely dort kickte. Michele Tafoya, jahrelang Sideline-Reporterin bei „Sunday Night Football“, verlor ihr Senatsrennen in Minnesota gegen Peggy Flanagan.
Und hinter den Kandidaten steht das Geld. Mehr als 20 Millionen Dollar haben NFL-Owner in diese Midterms gesteckt, fast alles für Republikaner. Mehrere der Kandidaten, auf die sie gesetzt haben, verloren gestern Abend. Zeit für einen Blick darauf, wie die Liga Politik spielt – in der Owner-Box, in Washington und im Verhältnis zu Trump.
Die Owner-Box als Spendenzentrale
Der größte Spieler sitzt in Denver. Broncos-Miteigner Rob Walton, Walmart-Erbe und einer der reichsten Menschen der Welt, gab in diesem Wahlzyklus mehr als 11 Millionen Dollar an Republikaner – allein 7 Millionen an das Koch-nahe Netzwerk Americans for Prosperity, das Millionen in umkämpfte Senatsrennen steckte. Schon 2024 war Walton mit rund 17 Millionen der mit Abstand größte Spender unter den Ownern.

Die bitterste Nacht hatte vermutlich Jerry Jones. Der Cowboys-Owner überwies 1 Million an Trumps Super PAC MAGA Inc. und 250.000 an ein PAC für Ken Paxton im texanischen Senatsrennen. Paxton verlor gegen James Talarico, der nun als Senator-elect gilt – ein Demokrat auf einem Senatssitz, den die Partei in Texas seit 1988 nicht mehr gewonnen hatte.
Kurios: In der Vorwahl stand die Familie noch auf anderer Seite. Sohn Jerry Jones Jr. hatte 50.000 Dollar an Paxtons parteiinternen Gegner John Cornyn gegeben.
Ähnlich lief es in Ohio und Michigan:
- Browns-Owner Jimmy und Dee Haslam gaben zusammen über 1 Million an die Republikaner, Jimmy Haslam unter anderem 100.000 an das RNC und 75.000 an das NRSC, dazu Geld an Senatskandidat Jon Husted. Gewonnen hat Ohio der Demokrat Sherrod Brown.
- Patriots-Owner Robert Kraft – einst Spender für Barack Obama – schob 100.000 Dollar in einen Fonds für den Republikaner Mike Rogers in Michigan. Wichtig dabei: Im Rennen ging es auch um die US-Militärhilfe für Israel, Kraft ist ein langjähriger Unterstützer des Landes. Rogers verlor gegen Abdul El-Sayed.
- Dolphins-Owner Stephen Ross gab zweimal 100.000 Dollar an PACs für republikanische Senatskandidaten in South Carolina und Florida – und nebenbei 10.500 an den Demokraten Mark Warner.

Die zwei, die gegen den Strom spenden
Nur zwei Owner haben in diesen Midterms ernsthaft Geld auf die Demokraten gesetzt – und beide hatten einen guten Abend.
Der erste ist der Neue. Vinod Khosla, Silicon-Valley-Investor und früher Geldgeber von OpenAI, kaufte mit seiner Familie im September die Seattle Seahawks – den amtierenden Super-Bowl-Champion, für den Rekordpreis von 9,6 Milliarden Dollar. In diesem Wahlzyklus gab Khosla 2 Millionen an den Senatsarm der Demokraten. Die Demokraten haben den Senat zurückgewonnen.
Kurios: Ausgerechnet 5.000 Dollar spendete er an einen einzigen Republikaner: Chuck Fleischmann aus Tennessee.
Der zweite ist ein alter Bekannter. Falcons-Owner Arthur Blank, Mitgründer von Home Depot, unterstützte 2024 öffentlich Kamala Harris und gab ihrem Fundraising-Komitee mehr als 1,3 Millionen. In diesem Zyklus flossen 300.000 Dollar in den Kampf um den Senat – und 3.500 Dollar an Alexandria Ocasio-Cortez, eine selbsternannte demokratische Sozialistin. Für einen NFL-Owner ist das so selten wie ein Scorigami im Super Bowl. Und weil Blank eben Blank ist, bekam auch Jay Feely 3.500 Dollar – der Republikaner hat vier Saisons für die Falcons gekickt.
Daneben gibt es eine kleine, leise Gruppe: die Rooneys (Steelers), die Wilfs (Vikings) und Jeffrey Lurie (Eagles) spenden seit Jahren eher an Demokraten, aber nur in fünfstelligen Beträgen.
Die Liga selbst spielt auf beiden Seiten des Feldes
Während viele Owner klar Farbe bekennen, verhält sich die Liga wie ein guter Spielmacher: Sie verteilt den Ball. Das Gridiron PAC, 2008 gegründet, als der Kongress die NFL wegen Tarifstreit und Gehirnerschütterungen unter die Lupe nahm, gab seit 2010 rund 1,9 Millionen Dollar an Demokraten und 1,7 Millionen an Republikaner. Bezahlt wird es von Teams, Ownern und Managern, meist mit dem Maximalbetrag von 5.000 Dollar pro Jahr.

Die Regel dahinter erklärte ein Liga-Sprecher 2024 so: Geld gibt es für Amtsinhaber, Führungspersonal, wichtige Ausschüsse und Abgeordnete mit NFL-Teams im Wahlkreis – nicht für Herausforderer, Gouverneure oder Präsidenten. Wer im Januar die Ausschüsse übernimmt, kennt die Liga also schon. In diesem Zyklus gab das PAC mehr als 700.000 Dollar an beide Seiten.
Wichtig dabei: Privat darf es schon mal parteiisch werden. Commissioner Roger Goodell selbst spendete 7.000 Dollar an den Republikaner Feely.
Dazu kommt Lobbyarbeit: 1,5 Millionen Dollar im Jahr 2024, 2025 ein Rekordtempo mit 41 Lobbyisten. Die Themen sind wenig glamourös, aber konkret – Drohnenabwehr über Stadien, Defibrillatoren an Schulen nach dem Kollaps von Damar Hamlin, und das RFK-Gelände in Washington, auf dem die Commanders ihr neues Stadion bauen wollen.
Trump und die NFL: eine Beziehung mit vielen Flaggen auf dem Feld

Um die Gegenwart zu verstehen, lohnt der Blick zurück. Trump wollte selbst Owner werden. 2014 bot er für die Buffalo Bills, die Liga entschied sich für Terry und Kim Pegula, die 1,4 Milliarden zahlten. Trump twitterte danach, die Bills würden ohne ihn kein Gewinner. Schon 1986 hatte er als Owner der New Jersey Generals die USFL in eine Kartellklage gegen die NFL getrieben – die Jury gab der USFL recht, sprach ihr aber nur einen Dollar zu. Am Ende kam ein Scheck über 3,76 Dollar.
Als er dann Präsident wurde, öffneten die Owner die Geldbörsen. Für die Amtseinführung 2017 kamen von Ownern und Liga mindestens 7,75 Millionen Dollar, sieben Owner gaben je eine Million – darunter Kraft, Jones, Kroenke, Khan und Woody Johnson, den Trump zum Botschafter in London machte.
Nur Monate später kam der Bruch. Im September 2017 forderte Trump, Spieler zu feuern, die während der Hymne knien. Khan hakte sich in Wembley bei seinen Spielern unter und nannte Trump kurz darauf einen „great divider“. Kraft, der Trump einen Super-Bowl-Ring geschenkt hatte, zeigte sich „deeply disappointed“.
Seitdem ist das Verhältnis vielschichtiger, als die Spendensummen vermuten lassen. Von 2008 bis 2017 bekam Trumps eigene Wahlkampagne von NFL-Ownern weniger Geld als jeder andere Präsidentschaftskandidat, nämlich 17.800 Dollar.
2024 setzten viele republikanische Owner lieber auf seine Rivalen in der Vorwahl: Panthers-Owner David Tepper gab rund 2,4 Millionen an Nikki Haley, die Haslams und Walton spendeten an Tim Scott. Direkt an Trump gaben nur Woody Johnson und Titans-Ownerin Amy Adams Strunk. Und 2026? Da schrieb Jerry Jones wieder einen Millionen-Scheck für Trumps Super PAC.
Warum Politik für die NFL kein Nebenschauplatz ist
Die schönste Geschichte dieser Wahlnacht schreibt Ohio. 2024 stand Sherrod Brown zur Wiederwahl, und die Browns-Owner wurden zum Wahlkampfthema: Die Haslams planten ein 2,4-Milliarden-Dollar-Stadion mit Dach im Umland, Brown forderte öffentlich, die Browns in Cleveland zu lassen. Die Haslams gaben derweil 145.000 Dollar an seinen Gegner Bernie Moreno und richteten ein Fundraising für ihn aus. Brown verlor. Zwei Jahre später ist er zurück und erfolgreich – gegen einen Kandidaten, den die Haslams wieder unterstützt haben.
Genau das ist der Kern: Stadien, Steuern, Fernsehrechte, Wetten, Sicherheit über den Arenen – fast alles, was eine NFL-Franchise wertvoll macht, hängt an politischen Entscheidungen. Die Owner spenden aus Überzeugung, aber auch, weil sie Partner in Washington, in den Bundesstaaten und in den Rathäusern brauchen. Die Liga sichert sich mit ihrem PAC auf beiden Seiten ab. Und mit dem neuen Kongress dürfte das Telefon in der Liga-Zentrale ab Januar bei anderen Nummern klingeln als bisher.
Meine Meinung: Ein Team ist nicht sein Owner
Wer Broncos-Fan ist, unterschreibt damit nicht Rob Waltons Spendenliste, und wer zu den Falcons hält, nicht die von Arthur Blank. Die Teams gehören auf dem Papier ein paar Milliardären, aber sie leben von Spielern, Städten und Fans, die oft ganz anders ticken als die Owner-Box. Es lohnt sich zu wissen, wohin das Geld fließt – die Liebe zum eigenen Team muss daran aber nicht zerbrechen.
Stand: Mittwochmorgen, 4. November 2026. Wahlergebnisse sind Projektionen der US-Sender, die Auszählung läuft teils noch. Spendendaten aus FEC-Meldungen. Quellen: Front Office Sports, OpenSecrets, USA Today, CBS News, NBC News, NPR, Washington Post, AZFamily, Fortune, ESPN, MapLight, Sports Illustrated, Awful Announcing

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