Hall of Crime: Robert Rozier & die Nation of Yahweh
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Inhaltsverzeichnis
Er stand in voller Montur auf dem Rasen eines NFL-Stadions, das Publikum tobte. Für einen kurzen Moment schien das Leben des Robert Rozier ein amerikanischer Traum zu sein: Aus einfachen Verhältnissen in die größte Football-Liga der Welt. Doch nur wenige Jahre später war der Ex-Profi Mitglied einer gewaltbereiten Sektenelite, die sich selbst „Death Angels“ nannte – und Morde als göttlichen Auftrag verstand.
Diese Geschichte ist kein Sportdrama, kein gewöhnlicher Kriminalfall. Sie ist ein Lehrstück darüber, wie Verführung, Macht und fanatischer Glaube einen Menschen in eine Abwärtsspirale reißen können, aus der es kein Zurück mehr gibt.
Der Podcast zum Fall:
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Weitere InformationenNFL-Karriere mit kurzem Halt
Robert Earnest Rozier Jr. wurde 1955 in Anchorage, Alaska, geboren und wuchs in Sacramento, Kalifornien, auf. Schon an der Cordova High School fiel er durch seine Körpergröße (1,96 m) und Athletik auf. An der University of California, Berkeley, spielte er Defensive End – groß genug für die NFL, aber mit wenig Feinschliff.
1979 drafteten ihn die St. Louis Cardinals in der 9. Runde (257. Pick). Seine NFL-Bilanz: 6 Spiele, keine Starts, keine Sacks oder Tackles in den Statistiken. Ein kurzer Abstecher zu den Hamilton Tiger-Cats und den Saskatchewan Roughriders in der CFL brachte ebenfalls keinen Durchbruch. Spätestens 1983 war seine Profikarriere vorbei – und mit ihr sein Halt im Leben.

Die Suche nach Zugehörigkeit
Ohne festen Job und sportliche Perspektive zog Rozier nach Florida. Dort kam er in Kontakt mit der Nation of Yahweh, einer religiösen Bewegung der Black Hebrew Israelites, angeführt von Yahweh ben Yahweh (bürgerlich: Hulon Mitchell Jr.).
Offiziell predigte die Gruppe Disziplin, Reinheit und wirtschaftlichen Aufstieg für Schwarze. Dahinter aber existierte eine Schattenstruktur, in der Gewalt nicht nur akzeptiert, sondern gefordert wurde.
Die „Death Angels“
Innerhalb der Nation of Yahweh existierte eine Geheimgesellschaft namens „Brotherhood“ oder „Death Angels“.
Ritualisierung: Die Taten wurden religiös verbrämt – Morde galten als „Aufträge Gottes“, die Ausführung als Beweis der Loyalität. Rozier erhielt den Sektennamen Neariah Israel und stieg rasch in dieser gewaltsamen Hierarchie auf.
Aufnahmeprüfung: Ein neuer Anwärter musste einen sogenannten „white devil“ (weißen Mann) töten und ein Körperteil als Beweis vorlegen – oft ein Ohr.
Ziele: Neben rassistisch motivierten Taten richteten sich Morde auch gegen schwarze Kritiker oder Abtrünnige, die als „Verräter“ galten.
Der blutige Herbst 1986
Im September und Oktober 1986 verübte Rozier eine Serie von Morden in Florida. Gerichtsunterlagen und spätere Geständnisse nennen unter anderem:
| Opfer / Tatort | Details |
|---|---|
| Aston Green | Gefesselt, mit Machete enthauptet; Gruppenzuschauer applaudierten. |
| Raymond Kelly | Auto-Mord, Ohr abgeschnitten – verloren, then nachgeschnitten. |
| Cecil Branch | 25 Messerstiche, Ohr entfernt, festgebunden am Boden. |
| Coconut Grove Apartment | Zwei Männer erstochen mit 12″-Messer. |
| Delray Beach Arson | Brandstiftung + Morddrohungen mit Babie-Waffen. |
| Anthony Brown & R. Broussard | Erschossen nach Widerstand gegen Sektenkontrolle. |
Offiziell verurteilte man ihn für vier Morde; Rozier selbst gestand bis zu sieben. Ein Berufungsurteil spricht von sechs Morden im Auftrag der Sekte. Viele Opfer waren zufällig ausgewählt – entscheidend war ihre Hautfarbe oder ein wahrgenommener Verrat.
Die Festnahme und das 404-Jahre-Zitat
Am 31. Oktober 1986 wurde Rozier nach einer Schießerei in Opa-locka, Miami, verhaftet. Bei der ersten Befragung gab er an, „404 Jahre alt“ zu sein und antwortete auf Fragen mit „Praise Yahweh!“.
Diese bizarren Aussagen waren kein Zufall – sie dienten innerhalb der Gruppe als Loyalitätsbeweis. Erst später, als er die Aussicht auf lebenslange Haft realisierte, entschied er sich, zu reden.
Der Kronzeuge, der den Guru stürzte
Rozier packte aus: Er erklärte, wie die Death Angels funktionierten, wie Morde geplant wurden und wie die „Trophäen“ dienten, um den Auftraggebern Beweise zu liefern.
Seine Aussage wurde zum Schlüssel im RICO-Prozess gegen Yahweh ben Yahweh. 1988 erhielt Rozier 22 Jahre Haft im Rahmen eines Deals, während Yahweh 1992 zu 18 Jahren verurteilt wurde.
1996 wurde Rozier aus der Haft entlassen und in das Zeugenschutzprogramm aufgenommen – neuer Name: Robert Rameses. Er bekam eine neue Wohnung, neue Papiere, und sollte ein unauffälliges Leben führen.
Doch nur drei Jahre später, 1999, wurde er in Kalifornien wegen Scheckbetrugs verhaftet: 27 gefälschte Schecks über insgesamt rund 2.200 Dollar – darunter ein einzelner über 66 Dollar, der im Prozess oft als Symbol seiner Selbstzerstörung genannt wurde.
Kaliforniens Three Strikes Law (1994 eingeführt) besagt: Wer bereits zweimal wegen schwerer Straftaten verurteilt wurde, erhält beim dritten Vergehen 25 Jahre bis lebenslang – auch wenn die dritte Tat vergleichsweise geringfügig ist.
Rozier hatte durch seine Mordurteile in Florida bereits zwei „Strikes“. Der Scheckbetrug war sein dritter – und reichte aus, um ihn 2001 zu einer Strafe von 25 Jahren bis lebenslang zu verurteilen.
Heute sitzt Robert Rozier im kalifornischen Staatsgefängnis (Inhaftierungsnummer P99863). Er ist eine Ausnahmefigur in der US-Sport- und Kriminalgeschichte:
Ein Mann, der von der NFL-Bühne in die Tiefen einer Mordorganisation stürzte, dann als Kronzeuge half, diese zu zerschlagen – und dennoch sein eigenes Leben endgültig im Gefängnis beendete.
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