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27. Oktober 2026

Frauenfootball in Deutschland: Geschichte, GFL Women und Nationalteam

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Frauenfootball in Deutschland gibt es seit 1987, und es hat in knapp vier Jahrzehnten eine eigene Geschichte mit Dynastien, Durststrecken und Comebacks geschrieben. Die höchste Spielklasse heißt heute GFL Women, ihr Finale ist der GFL Women’s Bowl, bis 2025 als Ladies Bowl bekannt. Deutsche Meisterinnen 2026 sind die Berlin Kobra Ladies, die die Hamburg Amazons am 26. September mit 28:13 schlugen und mit 13 Titeln Rekordmeister sind. Das Tackle-Nationalteam stand 2026 zum ersten Mal in einem EM-Finale und holte Silber.

Hannover 1987: Am Anfang stand ein 56:20

Das erste Spiel zweier Frauenteams in Deutschland fand am 27. September 1987 in Hannover statt. Eine westdeutsche Spielgemeinschaft gewann 56:20 gegen die Berlin Adler Girls, die damit schon beim Auftakt auf dem Feld standen und den Sport in den Jahren danach prägen sollten. Drei Jahre später organisierte der American Football Verband Deutschland (AFVD) die erste reguläre Saison mit sechs Teams. Das Finale um die damals noch inoffizielle deutsche Meisterschaft gewannen die Bamberg Lady Bears 1990 mit 14:12 gegen die Hannover Ambassadors.

1992 folgte der erste offizielle Ladies Bowl. Wieder setzte sich Bamberg durch, diesmal mit 23:0 gegen die Mülheim Shamrocks. Für den Nachwuchs blieb der Weg lange holprig: Bis 2001 durften Mädchen bis 14 Jahre nur in gemischten Flag-Teams spielen, Tackle-Football im Erwachsenenbereich ab 16 gab es nur mit Sondergenehmigung. Erst seit 2009 können Mädchen in gemischten Jugendteams von der D- bis zur B-Jugend Tackle-Football spielen. Im selben Jahr entstand die 2. Damenbundesliga, in der neun statt elf Spielerinnen auf dem Feld standen, damit auch kleinere Kader den Spielbetrieb stemmen konnten. Wer die Grundlagen des Spiels nachlesen will, findet sie in unserem Überblick zu den American-Football-Regeln.

Zwei Berliner Dynastien haben den Ladies Bowl geprägt

Die ersten drei Jahrzehnte des Frauenfootballs sind vor allem eine Berliner Geschichte. Die Berlin Adler Girls gewannen zwischen 1993 und 1997 fünf Titel in Folge und nach zwei Meisterschaften der Nürnberg Hurricanes noch einmal fünf zwischen 2000 und 2004. Nach den Munich Cowboys Ladies, die 2005 und 2006 triumphierten, übernahmen die Berlin Kobra Ladies: sieben Titel von 2007 bis 2013, dann eine 22:52-Niederlage gegen die Mülheim Shamrocks im Finale 2014, danach fünf weitere Meisterschaften bis 2019. Beim Ladies Bowl 2019 in Berlin waren laut AFVD mehr als 1.200 Fans im Stadion.

2020 und 2021 fiel das Finale wegen der Corona-Pandemie aus, und danach war die Liga eine andere. Die Stuttgart Scorpions Sisters gewannen 2022 mit 35:20 gegen die Hamburg Amazons. Hamburg revanchierte sich 2023 mit einem 26:0 gegen Berlin und holte den ersten Titel der Vereinsgeschichte. 2024 gelang den Schwäbisch Hall Unicorns Women in ihrer ersten Bundesliga-Saison der Coup: 14:7 gegen Stuttgart vor rund 1.400 Zuschauern im heimischen OPTIMA Sportpark. Laut Vereinsbericht sicherten die Unicorns den Sieg erst, nachdem Stuttgart 50 Sekunden vor Schluss per Trickspielzug verkürzt hatte und Hall den kurzen Onside Kick sicherte. 2025 kehrte der Titel nach Hamburg zurück: Die Amazons, die in dieser Saison als Hamburg Pioneers Amazons antraten, gewannen am 13. September im Stuttgarter Stadion Festwiese mit 21:6 bei den Scorpions Sisters. Ihre Defense nahm Stuttgarts Laufspiel fast komplett aus dem Spiel und zwang die Gastgeberinnen in ein Passspiel, das ihnen nicht lag.

JahrOrtMeisterinnenErgebnisFinalgegner
1992BambergBamberg Lady Bears23:0Mülheim Shamrocks
1993BerlinBerlin Adler Girls30:8Frankfurt Gamblers
1994LübeckBerlin Adler Girls33:0Nürnberg Hurricanes
1995HanauBerlin Adler Girls31:0Hannover Stampeders
1996HagenBerlin Adler Girls32:8Hannover Stampeders
1997LübeckBerlin Adler Girls21:8Hannover Ambassadors
1998LübeckNürnberg Hurricanes37:29Cologne Crocodiles
1999LübeckNürnberg Hurricanes31:20Berlin Adler Girls
2000DessauBerlin Adler Girls62:25Hamburg Maniacs
2001BerlinBerlin Adler Girls35:0Munich Cowboys Ladies
2002MünchenBerlin Adler Girls28:20Munich Cowboys Ladies
2003MülheimBerlin Adler Girls41:12Munich Cowboys Ladies
2004MünchenBerlin Adler Girls19:8Hamburg Amazons
2005MülheimMunich Cowboys Ladies24:0Hamburg Amazons
2006MülheimMunich Cowboys Ladies41:14Berlin Kobra Ladies
2007MünchenBerlin Kobra Ladies55:18Nürnberg Hurricanes
2008FlensburgBerlin Kobra Ladies40:37Nürnberg Hurricanes
2009LübeckBerlin Kobra Ladies41:26Nürnberg Hurricanes
2010DüsseldorfBerlin Kobra Ladies34:28Düsseldorf Bulldozer
2011BerlinBerlin Kobra Ladies42:21Düsseldorf Bulldozer
2012Frankfurt (Oder)Berlin Kobra Ladies58:22Düsseldorf Bulldozer
2013Frankfurt (Oder)Berlin Kobra Ladies20:16Crailsheim Hurricanes
2014CrailsheimMülheim Shamrocks52:22Berlin Kobra Ladies
2015BerlinBerlin Kobra Ladies48:12Mülheim Shamrocks
2016BerlinBerlin Kobra Ladies36:28Mainz Golden Eagles
2017MainzBerlin Kobra Ladies32:26Mainz Golden Eagles
2018MünchenBerlin Kobra Ladies26:6Munich Cowboys Ladies
2019BerlinBerlin Kobra Ladies26:24Stuttgart Scorpions Sisters
2020/21kein Finale (Corona-Pandemie)
2022StuttgartStuttgart Scorpions Sisters35:20Hamburg Amazons
2023HamburgHamburg Amazons26:0Berlin Kobra Ladies
2024Schwäbisch HallSchwäbisch Hall Unicorns Women14:7Stuttgart Scorpions Sisters
2025StuttgartHamburg Pioneers Amazons21:6Stuttgart Scorpions Sisters
2026BerlinBerlin Kobra Ladies28:13Hamburg Amazons
Ladies Bowl bzw. ab 2026 GFL Women’s Bowl. Quellen: AFVD/ladiesbowl.de, Vereins- und Presseberichte

GFL Women’s Bowl 2026: Berlin entscheidet das Finale vor der Pause

Das Finale 2026 war das erste unter dem neuen Namen GFL Women’s Bowl, und es war ein Duell zweier ungeschlagener Teams. Hamburg ging mit 431:8 Punkten aus sechs Spielen der regulären Saison in die Playoffs, Berlin mit 363:19. Im Halbfinale am 12. September schlug Berlin die Braunschweig Lady Lions mit 34:3, Hamburg gewann die Neuauflage des Vorjahresfinales gegen die Stuttgart Scorpions mit 14:7. Die Amazons wollten den dritten Titel in vier Jahren, die Kobra Ladies warteten seit 2019 auf den nächsten.

Am 26. September im heimischen Stadion Wilmersdorf war die Frage nach 30 Minuten praktisch beantwortet. Berlin führte zur Pause 28:0, die Touchdowns erzielten laut AFVD Jule Hollerbaum, Nele Mayr, Suse Rojahn und Juli Gruschka. Nach dem Seitenwechsel kam Hamburg mit zwei Scores heran und setzte die Berliner Defense unter Druck, doch die Kobra Ladies kontrollierten die Uhr, und eine Interception von Svenja Horn beendete das Comeback. Head Coach Tom Balkow sagte laut AFVD: „Ich glaube, wir haben hier heute ein Spiel gesehen, das auf höchstem Niveau eine tolle Werbung für unseren Sport war.“ Für Berlin war es der 13. Meistertitel und das Ende einer siebenjährigen Durststrecke.

So ist die Liga 2026 aufgebaut: Spitze und Breite gehen auseinander

Die GFL Women spielte 2026 mit neun Teams in einer gemeinsamen Staffel: Hamburg Amazons, Berlin Kobras, Stuttgart Scorpions, Braunschweig Lady Lions, Rodgau Pioneers, Hannover Grizzlies, Schwäbisch Hall Unicorns, Bremen Venom und Dresden Monarchs. Nach sechs Spielen der regulären Saison folgten Wild Card, Halbfinale und Finale. Die Tabelle zeigt, wie groß das Gefälle ist: Hamburg, Berlin und Stuttgart beendeten die Saison jeweils mit 6-0, dahinter kamen Braunschweig und Rodgau auf 3-3, Bremen und Dresden blieben ohne Sieg.

Darunter spielt die GFL Women 2, 2026 in vier Staffeln (West, Mitte, Südwest, Südost) mit insgesamt 18 Teams. Den Titel holten die Düsseldorf Panther, die schon die Staffel West mit 10-0 gewonnen hatten, am 24. Oktober mit einem 26:7 gegen Regensburg Phoenix. Damit hat die zweite Liga heute dreimal so viele Teams wie die gesamte Liga in ihrer ersten Saison 1990.

Die Nationalmannschaft: Von zwei vierten Plätzen bis zum ersten EM-Finale

Die Tackle-Nationalmannschaft der Frauen wurde ab 2009 für die erste WM-Teilnahme aufgebaut. Laut AFVD belegte sie bei den Weltmeisterschaften 2010 in Schweden und 2013 in Finnland jeweils Platz vier und gewann bei der EM 2015 in Spanien Bronze. Bei der WM 2022 in Finnland wurde Deutschland Sechster, bei der EM 2023/24 Vierter.

Im aktuellen EM-Zyklus gelang dann der Durchbruch. Im August 2025 schlug das Team in Bonn den damaligen Europameister Spanien mit 22:7, Ende Mai 2026 folgte in Coventry ein 26:6 gegen Großbritannien, mit dem der Einzug ins Finale feststand. Dort ging es am 22. August 2026 im Myyrmäki Football Stadium in Vantaa gegen Gastgeber Finnland, Europameister von 2015 und 2019. Zur Pause stand es 0:0, im dritten Viertel fiel der einzige Touchdown des Spiels für Finnland, am Ende hieß es 0:6. Head Coach Sebastian Ayernschmalz wollte die Silbermedaille nicht als Scheitern verstanden wissen: „Ich sehe keine Mannschaft, die gescheitert ist.“ Parallel wächst mit der olympischen Perspektive das Interesse an Flag Football, wo die deutschen Frauen ein eigenes Nationalteam stellen.

Wachstum von unten: Jedes dritte Mitglied ist weiblich

Wie breit der Sport inzwischen aufgestellt ist, zeigt die Bestandserhebung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB). Zum Stichtag 1. Januar 2025 meldete der AFVD 73.410 Mitglieder in 512 Vereinen und Abteilungen, davon 24.540 weiblich, also rund ein Drittel. Besonders auffällig ist der Nachwuchs: In der Altersgruppe von 7 bis 14 Jahren zählte der DOSB 6.735 Mädchen und 5.313 Jungen. Bei den 19- bis 26-Jährigen kehrt sich das Verhältnis um, dort stehen 7.452 Frauen 15.315 Männern gegenüber. Für die Vereine liegt genau darin die Aufgabe der nächsten Jahre: die vielen jungen Spielerinnen, die über Flag Football einsteigen, auch im Erwachsenenalter zu halten. Was sich dabei in den Ligen tut, steht regelmäßig im Footballerei-Newsletter.

Vom Cornerback zur NFL-Trainerin: Nadine Nurasyid

Nadine Nurasyid im Hoodie der Indianapolis ColtsIndianapolis Colts
Ex-Cornerback · Harriet P. Irsay Fellow, Colts
2013
Rookie of the Year bei den Munich Cowboys Ladies
2015
Erstmals in der Tackle-Nationalmannschaft
2021
Erste Frau als Head Coach eines GFL-Herrenteams (Munich Cowboys)
2026
Trainerstab der Colts, Defensive Backs
Foto: Footballerei

Das bekannteste Gesicht von Frauen im deutschen Football kommt selbst aus der Frauenliga. Die Münchnerin Nadine Nurasyid fing erst mit 27 Jahren bei den Munich Cowboys Ladies als Cornerback an, wurde in ihrer ersten Saison 2013 Rookie of the Year und 2015 erstmals in die Tackle-Nationalmannschaft berufen. Mit dem Flag-Football-Nationalteam holte sie 2017 Silber bei der EM, 2018 erreichte sie mit den Cowboys Ladies den Ladies Bowl. Das Finale ging verloren, Nurasyid wurde trotzdem zur besten Spielerin der Münchner Defense gewählt.

Danach wechselte sie an die Seitenlinie. Im November 2021 übernahm sie die Munich Cowboys und war damit die erste Frau, die in der German Football League ein Herrenteam als Head Coach führte. 2022 brachte sie die Cowboys in die Playoffs und wurde GFL Coach of the Year, 2025 gewann sie als Assistant Coach mit Stuttgart Surge die European League of Football. Seit Juli 2026 arbeitet sie als Harriet P. Irsay Fellow bei den Indianapolis Colts mit den Defensive Backs. Ihr Weg zeigt, wie weit es aus der Frauenliga heraus gehen kann.

FAQ zu Frauenfootball in Deutschland

Wie heißt die Frauen-Bundesliga im American Football?

Die höchste Spielklasse heißt GFL Women, darunter spielt die GFL Women 2. Das Finale um die deutsche Meisterschaft heißt seit 2026 GFL Women’s Bowl, vorher Ladies Bowl.

Wer ist deutscher Meister im Frauenfootball 2026?

Die Berlin Kobra Ladies. Sie gewannen den GFL Women’s Bowl am 26. September 2026 im Stadion Wilmersdorf mit 28:13 gegen Titelverteidiger Hamburg Amazons.

Wer hat den Ladies Bowl 2025 gewonnen?

Die Hamburg Amazons, damals als Hamburg Pioneers Amazons gemeldet. Sie schlugen am 13. September 2025 die Stuttgart Scorpions Sisters in Stuttgart mit 21:6.

Wer ist Rekordmeister im deutschen Frauenfootball?

Die Berlin Kobra Ladies mit 13 Titeln (2007 bis 2013, 2015 bis 2019 und 2026). Dahinter folgen die Berlin Adler Girls mit zehn Meisterschaften.

Wie hat die Frauen-Nationalmannschaft bei der EM 2026 abgeschnitten?

Das Tackle-Team stand zum ersten Mal in einem EM-Finale und verlor es am 22. August 2026 in Vantaa mit 0:6 gegen Finnland. Damit gewann Deutschland Silber.

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