„Mega Max“ von Garnier: Die Hamburger Football-Ikone
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Deutsche Football-Legenden, Teil 2: In dieser Serie erzählen wir die Geschichten der Deutschen, die den Football hierzulande geprägt haben, auf dem Feld, an der Seitenlinie und manchmal auf ganz unerwarteten Wegen.
In eigener Sache: Max von Garnier ist seit 2017 Experte bei der Footballerei. Gerade deshalb haben wir uns bei diesem Porträt an Zahlen und Quellen gehalten.
Mitte der 90er strömen in Hamburg plötzlich Tausende ins Volksparkstadion, und zwar nicht zum HSV. Die Hamburg Blue Devils spielen Football vor fünfstelligen Zuschauerzahlen, und einer ihrer Stars ist ein 1,90 Meter großer Receiver mit der Nummer 80. Er fängt Pässe, als hätte er Klebstoff an den Handschuhen, und er bleibt so lange, dass die Hamburger Zeitungen ihm irgendwann alle Titel verleihen, die es gibt: Kultfigur, Urgestein, Ikone, Denkmal, Dinosaurier. Alle anderen nennen ihn einfach „Mega Max“.
Max von Garnier im Steckbrief
- Geboren: 16. April 1971 in Berlin
- Position: Wide Receiver, Trikotnummer 80
- Teams: Berlin Rebels (1988–1992), Hamburg Blue Devils (ab 1992), Rhein Fire (1995)
- Titel mit Hamburg: Deutscher Meister 1996, 2001, 2002, 2003; Eurobowl-Sieger 1996, 1997, 1998
- Nationalmannschaft: Europameister 2001, Gold bei den World Games 2005, WM-Dritter 2007
- Auszeichnung: Silbernes Lorbeerblatt 2008, die höchste staatliche Sportauszeichnung in Deutschland
Charlottenburg, 17 Jahre, ein Ei
Football ist in Deutschland Ende der 80er noch eine Randsportart, als Max von Garnier mit 17 Jahren in Berlin-Charlottenburg zum ersten Mal ein Ei in die Hand nimmt. 1988 beginnt er bei den Berlin Rebels, vier Jahre bleibt er in der Hauptstadt. 1992 zieht er weiter nach Norden: In Hamburg sind gerade die Blue Devils gegründet worden, und von Garnier wird einer ihrer ersten Stars.
Die goldenen Jahre der Blue Devils
Von Garnier ist beim ersten Spiel der Blue Devils in der höchsten deutschen Liga dabei, und er wird zu einer der Hauptfiguren der erfolgreichsten Zeit des Vereins. 1996 holt Hamburg die deutsche Meisterschaft und den Eurobowl, den Europapokal des Footballs. Der Eurobowl geht 1997 und 1998 noch zweimal an die Blue Devils, dazu kommen deutsche Titel 2001, 2002 und 2003. Die Heimspiele im Volksparkstadion sind in dieser Zeit ein Ereignis, manche Partien sehen mehr als 10.000 Zuschauer.
1995 macht von Garnier einen Abstecher an den Rhein: Er spielt eine Saison für Rhein Fire in der World League, dem Vorläufer der NFL Europe. Dort ist er Ergänzungsspieler hinter den amerikanischen Profis, danach kehrt er nach Hamburg zurück. Ein Jahr später kommt bei Rhein Fire übrigens ein anderer Deutscher unter Vertrag, dessen Geschichte noch verrückter ist: Ex-BVB-Torjäger Manfred Burgsmüller, um den es im dritten Teil unserer Serie geht.
9.009 Yards: Die Zahlen hinter dem Spitznamen
Wie gut „Mega Max“ war, zeigen die Zahlen. Im Juli 2006, mit 35 Jahren, knackt er beim 45:21 gegen die Schwäbisch Hall Unicorns als erster Deutscher die Marke von 9.000 Yards Raumgewinn: 8.989 Yards durch gefangene Pässe, dazu 20 Yards durch Läufe. Es ist sein 578. Catch für die Blue Devils, auf seinem Konto stehen zu diesem Zeitpunkt 113 Touchdowns und 694 Punkte. In der ewigen Bestenliste der GFL liegen damit nur noch einige US-Amerikaner vor ihm, kein einziger Deutscher.
Im Trikot der Nationalmannschaft
Von 1997 bis 2007 gehört von Garnier zum Kader der deutschen Nationalmannschaft. 2001 wird Deutschland Europameister, 2005 gewinnt das Team bei den World Games in Duisburg Gold, 2007 folgt Platz drei bei der Weltmeisterschaft. 2008 bekommt er dafür das Silberne Lorbeerblatt, die höchste Sportauszeichnung, die die Bundesrepublik vergibt.

Vom Receiver zum Coach
Schon als Spieler trainiert von Garnier den Nachwuchs der Blue Devils und gewinnt mit ihm 1999 die deutsche Jugendmeisterschaft. 2008 wird er mit der Junioren-Nationalmannschaft Europameister, im selben Jahr übernimmt er die Herren der Blue Devils als Head Coach. Es sind schwierige Jahre: Der Verein zieht sich in die dritte Liga zurück, unter von Garnier geht es 2011 wieder hinauf in die GFL.
Seit 2009 gehört er zum Trainerstab der Herren-Nationalmannschaft, zunächst als Coach der Wide Receiver, und ist an den EM-Titeln 2010 und 2014 beteiligt. 2023 war er der dienstälteste Trainer im Nationalteam. Daneben hat er das NFL-Flag-Football-Programm an deutschen Schulen mit aufgebaut. Wie Flag Football funktioniert und warum es 2028 olympisch wird, erklären wir in unserem Flag-Football-Guide.

Die Stimme am Mikrofon
Wer Football im deutschen Fernsehen schaut, kennt seine Stimme. Seit 1998 kommentiert von Garnier German Bowls und den NFL Pro Bowl, er war Experte im Sport1-Magazin „Kickoff“ und kommentiert NFL-Spiele live. Im Podcast „Money Downs“ zerlegt er mit Shuan Fatah Spielzüge bis ins letzte Detail. Und bei uns ist er seit 2017 als Experte dabei, etwa im „NFL Boulevard“ zur GFL. Mehr über ihn findet ihr auf seiner Footballerei-Profilseite.
Unsere Einordnung: Max von Garnier hat nie in der NFL gespielt, und trotzdem gehört er in diese Serie. Kaum jemand hat den deutschen Football so lange und auf so vielen Positionen geprägt: als Rekord-Receiver, Nationalspieler, Trainer und Erklärer. Ohne Leute wie ihn gäbe es die Football-Begeisterung nicht, die heute bei den NFL-Spielen in Frankfurt und München ganze Stadien füllt.
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