Tschüs, Tony! Es war schön mit dir. Recht unterhaltsam und zuweilen tragisch komisch. Aber auf jeden Fall war es nie langweilig mit dir. Für alle unter euch, die hinterm Mond leben oder wieder mal mit Johnny Manziel in irgendeiner Bar versackt sind: Tony Romo hat seine Cleats an den Nagel gehängt. Kein Stern mehr auf dem Helm. Kein Jerry Jones mehr im Nacken. Kein Dak Prescott mehr vor der Nase. So long, Mr. Romo…

Ich hätte nie gedacht, dass ich mal (freiwillig) einen Artikel über die Cowboys und einen der ihren schreiben würde. Doch das Thema Romo ist einfach zu interessant. Denn wir alle fragen uns doch: Ist Romo wirklich einer der besten Quarterbacks, die je in Dallas gespielt haben? War er der Hauptschuldige am Playoff-Versagen der vergangenen Jahre?


I guess it’s time to start dressing up. #CBS

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12. These: Romo war gut – mehr aber nicht!

Das war ein Paukenschlag! Keine 24 Stunden nachdem Jerry Jones in der für ihn so typischen Art und Weise im ganz großen Stil dem Rest der NFL (und der Welt) mitgeteilt hat, dass Romo nun verfügbar wäre und man auf Angebote warten würde, zog der Quarterback den Stecker. Romo hört auf. Was einige Wochen als leises Gerücht durch den Blätterwald flatterte, wurde nun knallharter Fakt. Romo wird TV-Analyst.

Der Romo, den viele schon im Trikot der Houston Texans gesehen hatten. Der Romo, der uns für immer daran erinnert, dass Holder auch nur Menschen sind. Der Romo, es von der kleinen Eastern Illinois University bis zum NFL Star geschafft hat. Der Romo, der Jessica Simpson daten durfte.

In good company ? @jessicasimpsonstyle

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Ihr merkt schon: An Romo scheiden sich die Geister. Denn neben allen Zahlen, die mit einem Quarterback und seiner Karriere einhergehen, wird Romo von so viel Boulevard-Kram begleitet, das ist selbst unserem Kucze zu viel. Ich ziehe daher schon an dieser Stelle meinen Hut vor einem Mann, der von den US-Medien durchleuchtet, zerrissen und wieder zusammengepuzzelt wurde wie kein anderer in den letzten 15 Jahren. Romo ist trotz dem Rummel Romo geblieben. Ein Glück für uns.

Die nackten Zahlen

Doch um die Person Romo geht es mir nicht. Und um seine Verflossenen oder Mrs. Romo auch nicht. Mir geht es um die „einfache“ Frage: Wie gut war Romo wirklich?

Romo absolvierte 156 NFL-Spiele mit 127 Starts. Er brachte 2.829 von 4.335 Pässen (65,3%) für 34.183 Yards mit 248 Touchdowns und 117 Interceptions an und hatte ein 97,1er Rating. Ihm wurden 78 Siege und 49 Niederlagen zugeschrieben. Er hatte in seiner Karriere 25 Fourth Quarter/Overtime Comebacks und 30 Game-Winning-Drives. Vier Mal (2006, 2007, 2009, 2014) stand er im Pro Bowl. In allen vier Jahren erreichten die Cowboys die Playoffs.

Übersetzt heißt das: Romo warf die meisten Yards und Touchdowns der Cowboys-Historie und hatte das beste Rating und die höchste Completion Percentage. Er brachte die zweitmeisten Pässe an, warf die zweitmeisten Pässe und erzielte die drittmeisten Siege der Teamhistorie. Kein anderer Spielmacher der Cowboys hatte feierte Comeback-Wins und Game-Winning Drives.

Seine Playoff-Zahlen sind jedoch weniger gut: Von (nur) sechs Spielen gewann er lediglich zwei. Er brachte 61,6 Prozent seiner Pässe an (114 von 185), warf 1.316 Yards mit 8 Touchdowns und 2 Interceptions und hatte ein Rating von 93. Und ich rede nicht einmal von seinem unvergesslichen Auftritt als Holder gegen Seattle.

Bei all dem Zahlensalat muss doch aber nüchtern festgestellt werden, dass sich Romo nur mit zwei Cowboys-Legenden vergleichen lassen muss: Troy Aikman und Roger Staubach. Denn die meisten anderen, die sich in der Statistik finden lassen, waren Bauern und Kaufhaus-Cops. Ich rede von Granaten wie Chad Hutchinson, Quincy Carter, Ryan Leaf oder Drew Henson. Man glaubt es kaum, aber Dak Prescott ist nach nur einem Jahr in der NFL in vielen Kategorien schon ein Top15-Quarterback in der Cowboys-Geschichte.

Vergleich mit der Konkurrenz

Also zurück zu Romo, Aikman und Staubach: Aikman erzielte nicht nur die meisten Siege aller Cowboys-Quarterbacks, er verlor auch die meisten Spiele. Allerdings übernahm er als Rookie ein Team, das am Boden lag. Und er führte es zu drei Super Bowl Championships. Natürlich war das auch die Zeit vor dem Salary Cap. Ein Kader, wie ihn die Cowboys Mitte der 90er hatten, kann man sich heute nur noch bei Madden basteln. Aikman gewann elf seiner 15 Playoff-Starts. Im Gegensatz zu Romo steigerte er seine Completion Percentage und sein Rating in der heißen Saisonphase. Aus 61,5% wurden in den Playoffs 63,7% und aus 81,6 wurde ein Rating von 88,3.

Staubachs Bilanz von 85 Siegen bei nur 29 Niederlagen ist beeindruckend. Der Hall-of-Famer wurde wie Aikman sechs Mal für den Pro Bowl nominiert und gewann die ersten beiden Super-Bowl-Titel der Cowboys. In einer Zeit, in der lieber gelaufen als geworfen wurde, brachte er trotzdem 57,0% seiner Pässe für 22.700 Yards an und warf 153 Touchdowns. Sein Rating war besser als das von Aikman (83,4). In den Playoffs waren seine Zahlen durchwachsen. Wenn „Captain Comeback“ heiß lief, dann ging es auch weit für Dallas. In drei Jahren hatte er eine Playoff-Completion Percentage von über 60% – Dallas erreichte jedes Mal den Super Bowl und holte 1971 und 1977 den Titel.

Es ist nie leicht, Quarterbacks verschiedener Zeitepochen zu vergleichen. Und natürlich hatte Romo nie solch einen aufgeblasenen Superstar-Kader mit Hall-of-Famern wie Emmitt Smith oder Michael Irvin an seiner Seite. Dennoch lassen sich zwei Dinge mit Sicherheit sagen: Aikman und Staubach mussten nie mit dem Medienrummel leben, den Romo beinahe täglich durchlebte. Allerdings haben beide bewiesen und untermauert, dass sie echte Champions sind.

Thanks for everything cowboy nation. @candiceromo

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Vielmehr sollte man Romo mit anderen Quarterbacks seiner Zeit vergleichen. Und da brauche ich mich nicht groß in Zahlen verlieren. Da reicht es, Namen aufzuführen: Peyton Manning, Drew Brees, Tom Brady, Aaron Rodgers, Eli Manning, Ben Roethlisberger – sie alle stehen nicht nur statistisch besser da als Romo, sie alle haben mindestens einen Super Bowl gewonnen. Romo muss sich eher mit Kontrahenten wie Philip Rivers, Carson Palmer oder Matt Ryan vergleichen lassen. Auch ein Joe Flacco gehört dazu (weniger Yards geworfen, aber Titel gewonnen).

Und da muss man knallhart sein: Bis auf Palmer (1-3) haben alle der aufgeführten Million-Dollar-Arme eine bessere Playoff-Bilanz als Romo. Was mich zu einem ganz simplen Schluss führt: Romo ist ein feiner Kerl, ihm wurde vieles zur Last gelegt, für das er wenig oder nichts konnte. Er war einer der besseren Quarterbacks seiner Zeit. Aber er gehörte nie zur Elite!

Das kann er ja nun als TV-Experte ändern. Er ersetzt bei CBS Ex-Quarterback Phil Simms. Da lässt er den ersten Konkurrenten also schon hinter sich. Und um ein besserer Analyst als Aikman zu sein, braucht es auch nicht so viel…

In diesem Sinne,
Euer Stolle

P.S.: Kleiner Trost für alle Texans-Fans. Romo hat nie offiziell von Rente gesprochen. Wer weiß also, was 2018 bringt…

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Stolle
Geschrieben von Stolle
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