Beim letzten Mal habe ich versucht, ein wenig Licht ins schwarze Loch eurer Fantasy-Drafts zu bringen. Heilige Kuh, einfach geht anders. Aber zusammen schaffen wir das: unsere Fantasy Football Draft-Strategie, Teil II.

Vor ein paar Tagen sprachen wir über den unermesslichen Wert von Running Backs – und rieten euch dazu, auf Quarterbacks und Tight Ends in eurem Draft zu warten. Mit Ausnahme von einigen Elite-Könnern verschenkt man auf diesen Positionen ansonsten zu wertvolle Picks und guckt dann mit dem Ofenrohr ins Gebirge, weil die besten RBs und WRs allesamt bereits in den ersten Runden weggeschnappt wurden.


Heute geht’s weiter in der Liste der 10 wichtigsten Grundregeln, wenn es um die Gründung eures Championship-Teams geht. Ich kümmere mich um Jungspunde, Scoring Settings und die Frage, ob es eine gute Idee ist, ‚Tandems‘ zu bilden. Hat nix mit Radfahren zu tun.

Gehen wir’s an.


6) PPR vs. Standard Scoring: Geschmackssache.

Eins ist klar: wer wie wo und wann gepickt wird, hängt natürlich entscheidend vom Scoring System eurer Fantasy-Liga ab. In Ligen, die sich ‚PPR‘ nennen und jeden einzelnen Catch belohnen, sind solche Experten wie Julian Edelman oder Golden Tate auf der Position des WR deutlich wertvoller als Typen wie DeSean Jackson. Der Grund: die einen fangen in jedem Spiel durch die Bank ihre 5-10 Bälle, geizen dafür aber meist mit Yards und TDs. In PPR null Problemo.

DeSean dagegen ist immer noch einer der gefährlichsten ‚deep threats‘ der NFL. Und macht mit einem einzelnen Catch für 80 Yards und nem TD 2 Minuten vor Schluss seinen Fantasy-GM doch noch glücklich – zumindest wenn in dessen Liga ‚Standard Scoring‘ gilt. Hier zählt neben TDs nur die Zahl der Gesamtyards.

7) Rookie RBs: pures Fantasygold.

Jedes verdammte Jahr das gleiche Spiel: spätestens ab Mitte der Saison bröckeln einige Starter auf der Running-Position in der NFL weg. Und sterben wie die Fliegen. Also nicht im wörtlichen Sinne – vielmehr verlieren sie ihre Jobs aus Verletzung- oder Leistungsgründen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Und dann? Zaubern die Fantasy-Füchse unter euch mal eben den Rookie aus dem Ärmel, den sie sich auf gut Glück in ihrem Draft in einer der späteren Runden gekrallt haben. Jordan Howard wurde letztes Jahr in Chicago erst Anfang Oktober zum Starter. 1,313 Rushing Yards später darf man schon mal fragen, warum er in KEINEM Fantasy-Draft dieser Erde gepickt wurde. Jeremy Langford hingegen…

Anderes Beispiel: David Johnson musste in seiner Premierensaison bei den Cardinals sogar bis zum Dezember warten, um aufgrund des Ausfalls von Chris Johnson starten zu dürfen. Heute ist er der vielleicht beste Running Back der Liga. Und 2015 gewann er jedem GM einen Fantasy-Titel, der ihn damals zu diesem Zeitpunkt im Team hatte.

Merke: Leonard Fournette (JAX), Christian McCaffrey (CAR), Joe Mixon (CIN) und Dalvin Cook (MIN) durchaus schon in den früheren Runden – Jamaal Williams (GB), Kareem Hunt (KC), Samaje Perine (WAS), Joe Williams (SF), D’Onta Foreman (HOU), Wayne Gallman (NYG) oder Marlon Mack (IND) eher am Ende des Drafts. Einer dieser Jungs könnte euer Fantasy-MVP werden.

8) ‚Strength Of Schedule‘ oder: Glaskugel.

Jeder QB, der letzte Saison gegen die New York Giants-Defense ran durfte, durfte sich schon Wochen vorher die Hände reiben, bis ihm das Hörnchen schwoll. Ne? Ne. Aus dem Hühnerhaufen von Steve Spagnuolo 2015 wurde dank einiger cleverer (und sauteurer) Free Agent-Verpflichtungen eine bärenstarke Verteidigung.

Wer hätte es geahnt? Die Legion Of Boom dagegen war 2016 plötzlich deutlich zahnloser als vermutet – und hielt zuhause Matt Ryan und Julio Jones oder auswärts Jameis Winston und Mike Evans nicht von Monsterspielen ab.

Der Punkt ist: wer heute schon seinen Fantasy-Draft vom Spielplan der Liga bestimmen lässt, macht einen Fehler. Aber wenn man zwischen zwei Spielern hin- und herschwankt, ins Kissen beisst und vor lauter Verzweiflung gerade dabei ist, seine kleine Tochter entscheiden zu lassen, kann ein Blick auf ein (vermeintlich) schweres Auftaktprogramm natürlich nicht schaden.

9) Defense: nicht zu früh!

Sortiert man seine Cheat Sheets, wertet den Spielplan aus, vergleicht die Heim- und Auswärtsbilanz der gegnerischen Quarterbacks, bleibt dennoch am Ende jeder Saison die erschütternde Erkenntnis: vergiss es.

Wer wusste denn schon vorher, dass die Chiefs zwar in der ersten Saisonhälfte 2016 mit die wenigsten Sacks der Liga verzeichnen, am Ende aber trotzdem mal wieder eine Top 3-Defense sind? Wer konnte ahnen, dass die Texans gleich zu Beginn der Saison J.J. Watt verlieren, trotzdem extrem wenig Yards zulassen – aber einfach zu wenig Sacks, Fumbles, Interceptions oder Return TDs fabrizieren, um ihrem Preseason-Hype gerecht zu werden?

Lieber warten als ärgern. Oder gleich die Defense jede Woche austauschen und nach Matchup aufstellen.

10) ‚Tandem‘: zwei Spieler aus dem gleichen Team?

Ich persönlich hatte vor knapp 10 Jahren einmal das Vergnügen, mit QB Jake Delhomme und RB DeAngelo Williams von den Panthers zwei Starter aus dem gleichen NFL-Team mein Eigen nennen zu dürfen. Gruselig! War Delhomme tatsächlich mal ein passabler Fantasy-Quarterback, dominierte gerade in dieser Saison Williams dermaßen, dass Jake ausschließlich die Spiele verwalten und DeAngelo bis zum Erbrechen den Ball übergeben durfte.

Mein Fazit damals: ist der QB gut, kann’s der RB im gleichen Team eigentlich nicht gleichzeitig sein. Und umgekehrt. Zumindest ist es recht unwahrscheinlich. Klar, Gegenargumente wären: Prescott/Elliott (2016), Brady/Blount (2016), Wilson/Lynch (2014) – möglich ist alles.

Kombiniert man dagegen QB und WR bzw. TE aus der gleichen Offense, gilt: Gib ihm! Heute Brady auf Gronk, damals Stafford auf Megatron, Sie verstehen..? Das Risiko aber bleibt: zündet an diesem Spieltag die Offense, kracht’s doppelt. Tut sie’s nicht, schneidet man sich gleich doppelt ins Knie. Das schmerzt.


Wer nochmal Teil I lesen möchte – go for it: https://footballerei.de/2017/fantasy-football-draft-strategie-teil1/

Demnächst in diesem Theater: das Einmaleins zu Waiver Wire/Bye Weeks/Trades. Stay tuned.

P.S.: hier geht’s übrigens zu unserer Fantasy-Gruppe bei Facebook:

https://www.facebook.com/groups/247657742307553/

 

Die Menschen müssen mehr Fantasy Football spielen.

Es grüßt euch

Detti

 

Video-Quelle: YouTube

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Detti
Geschrieben von Detti
Fantasy Nerd - Seahawks-Fan seit den frühen 2000ern (als Mike Holmgren dünn war und Matt Hasselbeck Haare hatte) - Kellerkind - königlich-bayrisches Konsulat der Footballerei